SAV/ASPC/ASFC
 
 

Bulletin 60/2002

Inhalt

 

Lector benevole

Einige Meldungen zum Frühlingsbulletin hielten fest, dass es lang oder zu lang geraten sei. Dieser Meinung schliesst sich die Redaktion an. Dafür hatten wir keine Mühe, das Herbstbulletin, das wir Ihnen jetzt übergeben können, kürzer werden zu lassen. Denn es machte den Anschein, dass auch schreibende Altphilologen, oder solche, von denen wir hoffen, sie würden etwas schreiben, in das bekannte journalistische Sommerloch hineinfallen können. Darum enthält das Bulletin nur einen thematischen Artikel. Dieser behandelt allerdings ein Problem, das uns Unterrichtende der Alten Sprachen sehr nahe geht, spricht er doch im Zusammenhang mit der deutschen Rechtschreibreform über das spannende Problem der Normierung der Sprache und deren schriftlicher Fixierung, die sich im Griechischen und Lateinischen so gut wie im Deutschen stellt. Zusammen mit der Rezension eines Bandes des Dudens wiegt dieser Artikel das Fehlen einer zweiten thematischen Abhandlung auf, wie wir sie gerne veröffentlicht hätten.

Schade ist, dass das Herbstbulletin nicht mehr Rezensionen enthält. Die eben erschienene Nummer des Ianus, des Organs der Österreichischen Kolleginnen und Kollegen, zeigt, dass Buchanzeigen geschätzt werden, wenn sie so verfasst sind, dass sie uns darüber orientieren, ob wie eine neue Veröffentlichung lesen oder selber anschaffen wollen. Wir haben aber von mehreren Mitgliedern die Zusage, dass sie über den Winter ein Buch lesen und rezensieren werden, sodass das Frühlingsbulletin unter diesem Gesichtspunkt wieder reichhaltiger sein wird.

Die Anzeigen und Mitteilungen zeugen von Initiative und Phantasie, die in unserem Kreis lebendig sind; darunter verdient sicher das Projekt der St. Galler Kollegen besondere Beachtung und Unterstützung.

Die PR-Gruppe unseres Verbandes startet eine Kampagne, um neue Mitglieder für unseren Verein zu werben, da sie überzeugt ist, dass die Mitgliedschaft für unseren Verband gerade in unserer Zeit, die vereinsfeindlich ist, von besonderer Wichtigkeit ist. Wir möchten Ihnen darum diese Aktion besonders ans Herz legen.

Wir schicken dieses Bulletin nun auf die Reise in der Hoffnung, dass es noch viele Kolleginnen und Kollegen motiviert, an der Jahresversammlung in Baden am 8. November zu uns zu stossen, um bei geistiger und körperlicher Kost uns im Bewusstsein zu stärken, dass wir noch lange nicht am Ende unseres Lateins sind!

Alois Kurmann
 

Thematische Artikel

Reform der Rechtschreibung: Protokoll eines Wirrwarrs

Laut Benjamin Hederichs 'Teutsch=Lateinischem Lexicon' (Vermehrte Auflage 1736) ist reformiren gleichbedeutend mit corrigere; demgemäß ist von einer Reform der Rechtschreibung zu erwarten, daß sie Mißstände korrigiert und eine Verbesserung herbeiführt. Sechs Jahre nach ihrer Einführung zeigt sich klar und deutlich, daß die neue Orthographie keine Verbesserung gebracht hat; sie muß im Gegenteil selber laufend verbessert werden.
Insofern ist ein anderer Eintrag aus Hederich einschlägig: Reforme (das Wort ist damals aus dem Französischen übernommen worden) entspricht mutatio; dazudenken muß man perpetua.

Inflation der Wörterbücher
Am 1. Juli 1996 verpflichteten sich die deutschsprachigen Staaten in einer Absichtserklärung zur Umsetzung des neuen Regelwerks, das aus einem Regelteil und einem Wörterverzeichnis besteht; am 1. August 1998 trat die Neuregelung in Kraft. Was da in Kraft getreten ist, hat den Charakter eines Chamäleons. Bereits 1995 hatte der erste reformierte Duden wieder zurückgezogen werden müssen, da der damalige bayerische Kultusminister kurzfristig einige Schreibweisen zurückwies (tatsächlich wollten die Reformer Reuma, Tron, Frefel u.a. schreiben). 1996 erschien der zweite reformierte Duden. 1997 wollte die Rechtschreibkommission unter dem Eindruck der Kritik offiziell Korrekturen vornehmen, was ihr von den deutschen Kultusministern untersagt wurde. Seither führt die Kommission Veränderungen auf dem Weg der Absprache mit Wörterbuchredaktionen durch. So unterscheidet sich der dritte reformierte Duden (2000) wesentlich vom zweiten. Noch einmal neu präsentiert sich die vierte Generation reformierter Wörterbücher, die mit dem neuen Wahrig (Bertelsmann, 2002) aufgetreten ist. Aber auch diese aktuellste Fassung der neuen Orthographie ist bereits überholt, und zwar durch einen Bericht der Rechtschreibkommission, der Ende 2001 (zu spät für den neuen Wahrig) vorgelegt wurde und zahlreiche weitere Änderungen diskutiert; eingeführt werden sollen sie allerdings erst 2005. Bemerkenswert ist, daß die Mehrzahl der Korrekturen die herkömmlichen Schreibweisen wiederherstellt.

Beispiele
Die einzelnen Schreibweisen gehen auf Regeln zurück; eine Änderung der Schreibweise trifft also die Regeln. 1996 wollte man nur Blut saugend gelten lassen. 2000 kam man auf blutsaugend zurück. Muster für solche Zusammensetzungen war im EDK-Dossier zur Neuregelung Aufsehen erregend. Da man unterdessen aufsehenerregend wieder zuläßt, lautet das Muster in der zweiten Auflage Fleisch fressend; sicher auch nur vorübergehend. Wie schreibt man heute notleidend, laubtragend, feuerspeiend? Die Wörterbuchredaktionen sind uneins. 1996 galten wieder eröffnen und hoch begabt, 2000 restituierte man wiedereröffnen und hochbegabt. Diesen und ähnlichen Revidierungen fügt der erwähnte Kommissionsbericht wiedergutmachen und hochempfindlich bei, verschwinden sollen u.a. die reformierten Schreibweisen Acht geben, Rat suchend, Recht haben, so genannt, Leid tun. Der neue Wahrig (2002) nennt das neue selbstständig die "richtige Schreibweise", schreibt aber in seinen erläuternden Texten das herkömmliche selbständig. Das EDK-Dossier präsentiert neue Trennungen wie Montaga-bend, rät aber zugleich, sie zu vermeiden. Das 1996 unveränderte morgen früh entwickelte man 2000 zu morgen Früh. Neben diesem Hin und Her stehen handgreifliche Fehler: Wahrig notiert das neue heiß ersehnt und gerät in Widerspruch zu Erich Kästner, der in ein- und demselben Satz von heißersehnten und heiß ersehnten Bratkartoffeln schreibt. 1996 schließlich hielt man es für gut, Ich bin dir Feind zu schreiben, wegen dem Substantiv der Feind, demnach auch Ich bin dir Spinnefeind. Belehrt darüber, daß es kein Substantiv der Spinnefeind gebe, ging man zurück zu Ich bin dir spinnefeind, blieb aber bei Ich bin dir Feind. Diesen Widersinn begütigen zwei Kommissionsmitglieder damit, daß die Wendung außerhalb des Unterrichts "sehr, sehr selten" geschrieben werde.

Akzeptanz
In Wahrheit werden sehr viele der Neuerungen außerhalb des Unterrichts selten geschrieben. Die meisten Zeitungen halten sich an die Auswahl der Regeln, welche die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen getroffen haben, und ignorieren z. B. die neuen Interpunktionsregeln. Eine umfangreiche Hausorthographie hat die NZZ erstellt; sie unterscheidet z. B. (mit gutem Grund) weiter greulich von gräulich. Eine eigene Orthographie hat auch 'Die Zeit' entwickelt, und die FAZ hat alle neuen Regeln wieder aufgegeben. Auch sehr viele Schriftsteller lehnen die Neuregelung ab, die am Ende etwas bleibt, womit man die Schule auf Trab hält und verwirrt. Günter Grass, der sich auf das deutliche Resultat einer Allensbach-Umfrage bezieht: "Eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung entspräche dem wohlbegründeten Willen der Mehrheit der Bürger." (Focus vom 5. August 2002)

Langenscheidt, Stowasser, C.C. Buchner
Leider bauen auch die altsprachlichen Verlage auf dem beweglichen Fundament der neuen Rechtschreibung und werden teure Korrekturen vornehmen müssen. Der C.C. Buchner Verlag hat 1997 "Die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern" unter anderem deswegen neu gedruckt, um zu schreiben, der Text könne sehr Gewinn bringend sein, und die Geschichte sei allgemein gültig. Stowasser (Oldenbourg, 1998) übersetzt nun die beiden philosophischen Formeln a priori und a posteriori zwar regelkonform aber unregelmäßig mit von vornherein und im Nachhinein. Für agilis bietet Stowasser das neue behänd, Langenscheidt (2001) das herkömmliche behende. Für caulis hat Langenscheidt das neue Stängel, für calamus aber Stengel. Regelkonform übersetzen Stowasser und Langenscheidt manus mit Hand voll. Es sei kurz gezeigt, welche Entwicklung damit gestrichen wird. Hederich notiert 1736: Hand=voll, manipulus,i m. In einer zeitgenössischen Grammatik (Bödiker, 1746) wird der Doppelstrich als Signum Conjunctionis erklärt, mit der Einschränkung: "Es scheinet wol fast ohne Noth alle Substantiva composita in der Mitte so zu zeichnen; ist auch wegen der unsäglichen Menge solcher Compositorum unmüglich." Entsprechend bietet ein späteres Wörterbuch (Scheller, 1796): Handvoll. Die neue Schreibweise Hand voll krankt am Grundübel der neuen Rechtschreibung: es fehlt die Begründung. Typisch ist der Vermerk in 'Felix'(C.C. Buchner, 2001): "Dieses Werk folgt der reformierten Rechtschreibung (...). Ausnahmen bilden Texte, bei denen künstlerische, philologische oder lizenzrechtliche Gründe einer Änderung entgegenstehen."
Tatsächlich dürfen viele Texte nicht in neuer Rechtschreibung gedruckt werden.

Problemanzeigen
Den an der Ausarbeitung des Regelwerks Beteiligten muß seine Fragwürdigkeit bewußt gewesen sein. Günther Drosdowski, langjähriger Leiter der Dudenredaktion, legte 1996 das Bekenntnis ab: "Ich habe mich mit meinen Vorstellungen von einer vernünftigen Neuregelung nicht durchsetzen können (...). Einige Reformer hatten von der Verschriftung der Sprache und der Funktion der Rechtschreibung für die Sprachgemeinschaft keine Ahnung (...). Es ist schon ein Trauerspiel, daß die Sprachgemeinschaft jetzt ausbaden muß, was sich (...) andere ausgedacht haben." Sein Mittragen der "unseligen" Reform begründete er mit "Anweisungen der Kultusministerien" und "Verlagsräson".

Folgende Probleme bedürfen einer raschen Klärung:

  1. Einige der Schweizer Vertreter in der Kommission sind gleichzeitig Duden-Autoren. Es besteht die Gefahr, daß sie die Verlagsräson über die Interessen der Schule stellen.
  2. Zur Zeit wird versucht, mit Hilfe des Schulunterrichts der Gesellschaft eine in großen Teilen fehlerhafte Rechtschreibung aufzuzwingen.
  3. Die regelmäßige Neuanschaffung orthographischer Klassenbestände ist zu teuer.
  4. Die neue Rechtschreibung ist eine Mischung aus dem, was einer Gruppe von Wissenschaftlern richtig zu sein schien und dem, was die Politik für durchsetzbar hielt, beides untaugliche Kriterien für das Kulturgut einer einheitlichen Orthographie.
  5. Zur Zeit zerstört ein konsequenter Unterricht in Orthographie seinen Gegenstand, die einheitliche Rechtschreibung.
  6. Der Staat darf die Schule nicht verpflichten, etwas derart Korrekturbedürftiges in den Lehrplan aufzunehmen.
Ein klärendes Wort der EDK ist an der Zeit.

Literaturhinweise:
Die neue amtliche Rechtschreibung, Regeln und Wörterverzeichnis, Duden-Taschenbuch 28 (1997).
Die neuen Regeln sind auch in den neuen Wörterbüchern abgedruckt.

Kommentare:
1) Peter Gallmann, Horst Sitta, Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, Regeln, Kommentar und Verzeichnis wichtiger Neuschreibungen, Duden-Taschenbuch 26 (1996)
2) Theodor Ickler, Kritischer Kommentar zur 'Neuregelung der deutschen Rechtschreibung' (Zweite Auflage 2002)

Geschichte der Reform:
1) Frankfurter Allgemeine Zeitung (Hg.), Die Reform als Diktat (2000)
2) Theodor Ickler, Regelungsgewalt, Hintergründe der Rechtschreibreform (Zweite Auflage 2002)

Ein alternatives Wörterbuch:
Theodor Ickler, Das Rechtschreib-Wörterbuch, Die bewährte deutsche Rechtschreibung in neuer Darstellung (Dritte Auflage 2001)

Stefan Stirnemann, St. Gallen

(Siehe auch die Rezension über das Duden-Bedeutungswörterbuch in dieser Nummer).

 

Anzeigen und Mitteilungen

Broschüre "Die kräftigsten Wurzeln reichen in die Antike zurück"

Die Broschüre "Die kräftigsten Wurzeln reichen in die Antike zurück", St. Galler Stimmen zum altsprachlichen Unterricht an Sekundarschulen und Gymnasien, die im letzten Sommer in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschien, war rasch vergriffen. Anfangs Jahr hat der Kanton 5000 Exemplare nachdrucken lassen.
Sie kann nun wieder bestellt werden unter folgender Adresse: Fachgruppe Klassische Sprachen, Kantonsschule am Burggraben, 9004 St. Gallen. Schön wäre es allerdings, wenn in anderen Kantonen ähnliche Ideen realisiert würden. Unterstützung und goodwill ist vorhanden, wie der Kanton St. Gallen mit seiner Finanzierung des Nachdrucks gezeigt hat. Wir verdanken sie vor allem Herrn Thomas Gschwend, Amtsleiter Mittelschulen im Erziehungsdepartement. Herr Geschwend ist leider seither nach kurzer Krankheit verstorben. Es sei ihm ein gutes Andenken bewahrt.

 

Neues Projekt aus St. Gallen: Wer unterstützt es?

Im nächsten Jahr werden die Schweizer Monatshefte ein Dossier bzw. Schwerpunktthema den klassischen Sprachen widmen. Herausgeber sind, gemeinsam mit Frau Schwager und Herrn Nef von den Monatsheften, Clemens Müller und Stefan Stirnemann (St. Gallen). Diskutiert und gezeigt wird die Rolle, welche Griechisch und Latein im Kanon von Gymnasium und Universität spielen oder spielen sollten, dies in Beiträgen von Vertretern aus Bildungswesen, Politik und Kultur. Das Dossier wird zusätzlich als Separatdruck erscheinen und sich so auch für Elternabende und Informationsveranstaltungen eignen. Wie üblich ist die Geldfrage noch nicht ganz gelöst. Von den Kosten (etwa sFr. 25,000) sind dank einer privaten Zuwendung, dem Thesaurus linguae Latinae und einer Stiftung, bereits die Hälfte gesichert. Wer sich beteiligen möchte, wende sich an Stefan Stirnemann, Tigerbergstrasse 10, 9000 St. Gallen. Auch Hinweise auf Stiftungen sind willkommen.
Mit diesem Projekt haben wir die einmalige Chance, ein zentrales Anliegen einer sehr grossen Öffentlichkeit wirksam vorzustellen.
Advolent nummi!

 

Bravo - Anerkennung - Bravo

Die Aristoteles-Universität Thessaloniki (Prof. Dr. J. Touloumakos) hat letztes Jahr einen internationalen Wettbewerb ausgeschrieben mit dem Thema: "The survival of the Greco-Roman Antiquity in the European Culture of the second half of the 20th century (Literature, Arts, Political Thought)" (3rd European competition for students of secondary and higher education). Sowohl Gymnasiasten als auch Studenten durften daran teilnehmen, wobei die beiden Kategorien getrennt voneinander bewertet wurden. Als Preise lockten hohe Geldsummen (1. Preis: 700 Euros; 2. Preis: 530 Euros). Erfreulicherweise gewannen zwei meiner Maturandinnen aus Langenthal, Evelyne Häfliger und Alexandra Hofmann, den ersten und den zweiten Preis der Schülerkategorie, Evelyne Häfliger mit einer Arbeit zum Thema "Harry Potter und seine Verwurzelung in der Antike" und Alexandra Hofmann, indem sie den Mythos von Orpheus und Eurydike, wie er bei Ovid dargestellt ist, mit seinem Weiterleben in Ballett und Oper der Neuzeit verglich. Am 15. Dezember 2001 fand die Preisverleihung im Beisein von viel Prominenz in der ehrwürdigen Alten Aula der Universität Thessaloniki statt. Der nächste derartige Wettbewerb ist für nächstes oder übernächstes Jahr geplant.

Catherine Trümpy
 

Jahresversammlung, Freitag, 8. November 2002, in Baden

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im Namen des Vorstandes lade ich Sie herzlich zur Jahresversammlung unseres Verbandes nach Baden ein.

Programm
Kantonsschule Baden (Für die Raumzuteilung bitte entsprechende Hinweise beachten!)

15.00
Dr. Annemarie Kaufmann-Heinimann:
Der Silberschatz von Kaiseraugst:
Neue Stücke - Neue Erkenntnisse

16.15
Generalversammlung

  1. Protokoll der GV vom 9.11.01 in Luzern
  2. Bericht des Präsidenten
  3. Rechnung: Bericht des Kassiers und der Revisoren
  4. Wahlen: Statutarische Wahl des Präsidenten, des Vorstandes und der Revisoren
  5. Anträge des Vorstandes und der Mitglieder
  6. Varia

ca. 18.00
Aperitif und Nachtessen im Restaurant Pavillon (am Kurplatz; ca. 10 Min. ab Kantonsschule und ca. 5-7 Min. vom Bahnhof)

Anmeldung schriftlich mit Talon / per Tel. / e-mail an mich (bis Ende Okt.)

Mit freundlichen Grüssen
Beno Meier

 

Wettbewerb

In den katholischen Kirchen und den Klöstern gibt das sogenannte Direktorium an, was an jedem einzelnen Tag für ein Fest, was für eine liturgische Feier fällig ist. Früher war es in verschiedenen Diözesen und Klöstern Brauch, auf die erste Seite des Direktoriums ein Chronogramm oder ein Chronodistichon zu stellen, aus dem sich die Jahrzahl des betreffenden Jahres ergab. Im Kloster Einsiedeln ist seit 1919 in jedem Direktorium ein Chronodistichon der strengeren Form zu finden; in jedem Wort des Hexameters und des Pentameters muss demnach wenigstens ein Zahlbuchstabe vorkommen. Weil das Direktorium Kleinformat hat, sind die Distichen auf 4 Zeilen verteilt.

P. Augustin Schäfer, der viele Jahre diese Distichen verfasst hat, schreibt 1941: "Der Gegenstand ist hergenommen aus der Vaterlands-, Kirchen-, Kloster- und Lokalgeschichte". Zudem hat P. Augustin fast in jedes Distichon eine Anspielung an Maria hineingebracht. Das Distichon zum Jahr 1922 etwa, in dem ein erster Plan zur Erbauung des Sihlsees ausgearbeitet wurde, lautet:

Prole pia nobis benedicat rite Maria,
Ut nobis parcat, vae, lacus horrisonans!

Auf das Jahr 1938, in dem der Sihlsee erstellt wurde, steht im Direktorium:

Verbanus pueris ridet lacus ac Turicensis:
Silae aeque prosint, Agniparens, Maria.

Eine von P. Augustin angefertigte Übersetzung lautet:

Wie deine Kinder der See an Asconas und Pfäffikons Strande,
So soll die Meerflut der Sihl, Mutter des Lammes, uns freun!

Die Erwähnung des Lago Maggiore ist eine Reminiszenz an das Collegio Papio in Ascona, das das Kloster Einsiedeln im Jahr 1928 eröffnet hatte.

Die Tradition des Chronodistichons im Kloster Einsiedeln ist leider 1996 mit dem Tod von P. Rupert Ruhstaller (der sich in humanistischer Manier auch "Trachytopos") nannte, abgebrochen. Er hatte diese Literaturgattung dank seiner aussergewöhnlichen Kenntnis des Lateins auf einen Höhepunkt gebracht. Den Stoff nahm P. Rupert weiterhin aus der Welt- und Klostergeschichte, die etwas "frommen" Verse sind jedoch verschwunden. Das Chronodistichon auf 1989 lautet (Anordnung und Druck wie im Original):

bIs CentenI annI sVnt:
gaLLIa traDIta trIVIt
ConstItVItqVe sIbI
LegIs aMerICa IVs.

Das letzte Chronodistichon von P. Rupert spielt auf das tausendjährige Todesjahr des Engländers Gregor an, der der dritte Abt von Einsiedeln war:

tertIVs eDoCVIt
VentVros angLVs ereMI
reCtor gregorIVs
VIVere CoenobICe.

Und nun der Wettbewerb: Hat es unter uns Kolleginnen und Kollegen solche, die ein Chronodistichon zu machen wagen? Es sollte das Jahr 2004 anzeigen. Die 5 besten Exemplare werden im Frühlingsbulletin 2003 veröffentlicht werden. Dass das beste im Direktorium 2004 des Klosters Einsiedeln stehen wird, ist nicht ausgeschlossen! Auf jeden Fall: Die Verfasserin oder der Verfasser des besten Chronodistichons auf das Jahr 2004 bekommt als Geschenk ein Mittagessen im Kloster Einsiedeln!

Alois Kurmann
 

Mitgliederwerbung

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen

ein Verband lebt in seinen Mitgliedern, und die Zahl der Mitglieder ist zur Erreichung des Verbandszweckes entscheidend. Wie die meisten Vereine spürt auch des SAV den Mitgliederschwund und den mangelnden Nachwuchs. Unsere PR-Kommission erklärt darum das Vereinsjahr 2003 zum Jahr der Mitgliederwerbung, und zwar der "Mitgliederwerbung auf persönlicher Basis". Nicht nur diese Gruppe und der Vorstand verpflichten sich, in den kommenden Monaten Mitglieder zu werben, sondern wir hoffen, dass auch viele unserer Mitglieder an dieser Aktion mitmachen.

Wir veröffentlichen den folgenden Text, den wir den Personen, die wir ansprechen, in die Hand geben können, damit sie einen ersten Kontakt mit unserem Verband erhalten. Der Text wird an der Jahresversammlung in Baden am 8. November als Faltblatt vorliegen, das als Unterlage für Kopien dienen kann, die wir verbreiten wollen. So wird die Aktion uns finanziell nicht belasten.

Wer am Text, der hier veröffentlicht wird, etwas ändern möchte, ist gebeten, seine Änderungen schriftlich bis zum 31. Oktober 2002 an Alois Kurmann (al.kurmann@bluewin.ch) einzureichen, damit diese nach Möglichkeit eingearbeitet werden können. An der Jahresversammlung selber werden wir nicht mehr über den Text diskutieren. Die Abstimmung, die wir durchführen werden, soll jedoch ein offizieller Akt sein, mit dem wir uns verpflichten werden, uns ein Jahr lang der Werbung zu widmen.

Im Namen des Vorstandes und der PR-Kommission
Alois Kurmann

Werden Sie Mitglied beim
Schweizerischen Altphilologenverband

Warum sprechen wir Sie an?
Der Schweizerische Altphilologenverband (SAV) hat den Zweck, die Lehrerinnen und Lehrer der Alten Sprachen an den schweizerischen Mittelschulen wissenschaftlich und methodisch zu fördern. In den letzten Jahren ist als neue wichtige Aufgabe die Beteiligung an bildungspolitischen Diskussionen hinzugekommen; ohne den Verband wären wir Lehrerinnen und Lehrer auf nationaler Ebene "sprachlos" und damit wirkungslos.
Der SAV nimmt diese neuen politischen Aufgaben mit grossem Ernst wahr. Unter den Ersten, die den Kampf gegen das MAR (mit seinen vorauszusehenden negativen Auswirkungen u.a. auf den altsprachlichen Unterricht) aufnahmen, war der SAV mit seiner offiziellen MAR-Kommission. Zusammen mit anderen Fachschaften konnte man den VSG (Verein Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer) zum "Nein" überzeugen; im nachfolgenden politischen Kampf war es möglich, die Argumente bis in den Bundesrat zu tragen. - Eine dauernde politische Aufgabe ist die Ausarbeitung von Vernehmlassungsantworten, die der SAV konsequent einreicht; wohl vor allem deshalb gilt er im VSG als ein aktiver Verband.
In der jetzigen Situation ist es wichtig, dass die Stellung der Alten Sprachen gestärkt wird und dass weiterer Abbau verhindert werden kann. Diese Aufgabe kann der SAV nur angehen, wenn er ein starker Verband ist, der auf verschiedenen Ebenen aktiv wird. Darum brauchen wir Sie!

Was bietet Ihnen die Mitgliedschaft beim SAV?
Der Verband erarbeitet Orientierungs- und Werbematerialien. Diese stehen auf Bestellung zur Verfügung, am einfachsten über unsere beiden Homepages: Die eine Homepage (www.latein.ch) dient der allgemeinen Information der Mitglieder und weiterer Kreise über die Tätigkeiten des SAV in Gymnasium und Universität und erlaubt auch den elektronischen Beitritt zum Verband sowie die Kommunikation unter den Mitgliedern; die zweite Homepage (www.latigrec.ch) ist bestimmt für die Übersicht über die erwähnten Materialien und deren Bestellung, zudem werden auf ihr verschiedenste Texte und Themen, auch in spielerischer Form, für interessierte Schülerinnen und Schüler oder ihre Eltern publiziert.
Ein jährlich zweimal erscheinendes Bulletin bietet den Verbandsmitgliedern Artikel zu aktuellen Themen aus Wissenschaft und Unterricht, Hinweise auf schweizerische und internationale Fachveranstaltungen sowie Buchrezensionen.
Jährlich wird ein Weiterbildungskurs unter Führung von Fachleuten angeboten (zum Beispiel in den letzten Jahren: Gender Studies; Schweiz in römischer Zeit; Römische Inschriften; Römisches Theater; Lyrik). Ausserdem werden periodisch Studienreisen organisiert (Auf den Spuren der Kelten; Pompeji; Etrurien).
Die Generalversammlung beinhaltet neben den Vereinsgeschäften stets auch einen wissenschaftlichen Vortrag; ihr zweiter, geselliger Teil dient der Pflege des Kontaktes unter den Mitgliedern.

Anerkennung in der Öffentlichkeit
Die Aktivitäten des SAV haben über den Fachrahmen hinaus gewirkt: Ein namhafter Preis der Weitnauer-Stiftung in Basel für unsere Öffentlichkeitsarbeit, erhebliche Geldspenden der Binding-Stiftung in Basel, der Goethe-Stiftung in Zürich und des griechischen Staates sowie die Unterstützung durch das ULEF Basel (Institut für Unterrichtsfragen und Lehrerfortbildung des Kantons Basel-Stadt) sind sowohl Frucht als auch Förderung der Aktivitäten unseres Verbandes.

Werden Sie Mitglied!
Die Wichtigkeit, öffentlich und politisch tätig zu werden, wächst. Mit dieser Entwicklung können wir umso besser Schritt halten, je stärker wir sind.
Wenn Sie Klassische Philologie studieren und eine spätere Lehrtätigkeit für Sie in Frage kommt,
wenn Sie Junglehrerin oder Junglehrer sind und im Haupt- oder Nebenfach eine Alte Sprache unterrichten,
wenn Sie schon mehrere Jahre unterrichten, aber noch nicht Mitglied des SAV sind,
wenn Sie ein anderes Fach unterrichten und überzeugt sind, die Alten Sprachen müssten gestärkt werden,
dann zögern Sie nicht, sich mit dem beiliegenden Anmeldeformular als Mitglied beim Schweizerischen Altphilologenverband anzumelden (oder direkt über das Internet: http://www.latein.ch/Beitritt.php).

 

Weiterbildung

Announcement: Euroclassica Academia Homerica Chios 2003

We have the great pleasure to announce you, that ACADEMIA HOMERICA will be in Chios next year (11-20 July). Professors and students must arrive in Athens on July 10 and stay at THEOXENIA HOTEL, near Kaningos and Omonia Square, at 3 Gladstonos Str., tel. +30-10-3800250. On July 11 the participants will visit Mycenae, Epidaurus, Argos, Nafplion, Corinth. On July 12 they will visit the Acropolis, the Acropolis Museum and the Archaeological Museum in Athens. On July 12 in the afternoon travel by ship to Chios. Residence at the new-built with modern facilities Boarding House of the AEGEAN UNIVERSITY, by the seaside.

There will be three sessions: One for students of Classical Studies of Universities/Gymnasiums (with a knowledge of Homer), with the topic "HOMER AND WORLD LITERATURE. OUR CLASSICAL HERITAGE". A second session for professors-hellenists, with topic "HOMER IN THE WORLD". For all sessions: "MODERN Greek LANGUAGE AND LITERATURE". Those wishing may attend lessons of Greek traditional dances.

A good knowledge of English is required since the lecture programmes and workshops are held in English. For those who wish to study Modern Greek language there will be a special session with expert professors of the Athens University who teach Greek language for foreigners. For those wishing to learn Greek dances, there will be teaching every day voluntarily. There will be also educational visits to Museums, Archaeological, Byzantine and Medieval places and libraries. It may be some cruises and visits to the islands of OINOUSSAE, PSARA or some other island of the AEGEAN SEA.

Lessons will take place at the homerion cultural centre and aegean university. all the participants will gain a certificate at the closing day of the lessons.

ACADEMIA HOMERICA is organized by EUROCLASSICA in cooperation with ETAIREIA HELLENON FILOLOGON, HOMERION CULTURAL CENTRE OF CHIOS, in cooperation with Universities and other Educational and Cultural Foundations.

Lessons are mainly taught in English.

Director: Dr. MARIA-ELEFTHERIA GIATRAKOU
General Secretary: MARIANNA GEORGOUNTZOU-NIKITOPOULOU
Tutors: Professors of universities from various European countries and Greece.

The participation is the amount of EURO 300. Deadline will be April 30. Those wishing to participate must send their applications not later than this date to:
Dr. MARIA-ELEFTHERIA GIATRAKOU
13, NIKIFOROU OURANOU
11471 ATHENS - Greece
TEL/FAX: +30-210-3642131
Mobile Phone: 0932-368388

Please send your applications the soonest possible.

 

Euroclassica

Conférence annuelle et assemblée générale d'Euroclassica 2002
Pénélope et Ulysse, 18-19 avril 2002, Coimbra, Portugal

Après l'Université de Bâle l'année passée, c'était au tour de la non moins prestigieuse Université de Coimbra d'abriter sur son site remarquable la rencontre annuelle des délégués d'Euroclassica, dans le cadre du congrès "Pénélope et Ulysse" organisé conjointement par Euroclassica, l'Association Portugaise d'Études classiques et l'Institut d'Études classiques et humanistes de l'Université de Coimbra. L'accueil y a été généreux et grandiose.

Une quantité impressionnante de participants portugais a eu le loisir d'assister à des conférences et exposés présentés dans sa langue, tandis que des contributions de chercheurs et professeurs étrangers étaient prévues en nombre limité pour les non-initiés à l'idiome de Camoens. Nous avons ainsi pu suivre, entre autres, une conférence, didactique et interdisciplinaire, du président d'Euroclassica, H.-J. Glücklich, sur la fidélité de Pénélope et la réception de ce personnage dans la poésie latine; la représentante roumaine, G. Cretia, s'est attachée à rechercher d'éventuelles pistes du mythe dans la littérature de son pays ; venu de l'Université de Brest, P. Thiercy a parlé d' " Ulysse et Pénélope dans Naissance de l'Odyssée de J. Giono", tandis que la compatriote d'Homère lui-même, M.-E. Giatrakou, interprétait un poème consacré à Ulysse du prix Nobel de littérature, G. Seferis. Nous avons visité éblouis la splendide Bibliothèque, ainsi que la Chapelle, et la Salle des cérémonies de l'Université ; puis, par un temps superbe et dans un cadre grandiose, les ruines romaines de Conimbriga où sont encore visibles in situ de remarquables mosa•ques. Au préalable et pour animer la première soirée, le groupe de théâtre antique de l'Université avait représenté, en traduction et dans une amusante mise en scène "à l'antique", l'Amphitryon de Plaute qui a remporté tous les suffrages de ceux qui pouvaient en saisir les finesses linguistiques.

Une autre partie de cette rencontre était réservée aux aspects plus pédagogiques de l'enseignement des langues anciennes en Europe. On a ainsi pu prendre conscience des énormes différences qui existent, pour le latin, entre la Scandinavie et la Croatie, par exemple. Plusieurs pays, dont les Pays-Bas, ont rendu l'enseignement du grec ancien obligatoire dans certaines sections du Lycée. Beaucoup de choses bougent, souvent les conditions sont très difficiles, mais les professeurs semblent faire montre d'un bel enthousiasme quand même.

L'assemblée générale qui avait assez bien commencé s'est quelque peu tendue face au manque d'informations actuel sur la réunion de l'année prochaine à Vienne. Plusieurs délégués se sont en outre irrités d'un courrier qui leur est parvenu d'Allemagne, les incitant à adhérer à un groupe qui a obtenu le soutien européen et qui prétend promouvoir les mêmes objectifs qu'Euroclassica, tout en sachant pertinemment que cette association des associations existe ! Le président, lui, ne s'en émouvait guère...

La Grèce qui se sent toujours mère de la civilisation et de la culture européennes, et ne manque pas d'idées, soutient les Academiae Aestiva et Homerica qui rencontrent du succès. Homeroupolis, sur l'île de Chios, se lance dans des Olympiades de la culture ancienne. Cette année célèbre l'anniversaire de la mort de Socrate, tandis que 2003 sera l'année Sophocle. Les pays de l'UE, mais la Suisse également, sont invités à marquer ces événements aussi. Un festival européen de théâtre (lecture) réunit chaque année en Espagne profs et étudiants autour d'une tragédie grecque, l'année prochaine, Antigone... L'investissement de certains, afin que les jeunes européens s'ouvrent les uns aux autres et apprennent à connaître ce qui est le fonds commun de leur culture, est remarquable.

avril 2002
Christine Haller
 

Euroclassica: Jahreskonferenz und Generalversammlung
Wien 23.-26. April 2003

Veranstalter: Sodalitas - Bundesarbeitsgemeinschaft klassischer Philologen in Österreich und Institut für klassische Philologie, Mittel- und Neulatein an der Universität Wien

Ort der Veranstaltungen: Universität Wien, Institut für Klassische Philologie; Mittel- und Neulatein, 1010 Wien, Dr. Karl Lueger-Ring 1. Vorträge: Hörsaal 21.
Ein genauer Lageplan allfälliger anderer Veranstaltungsorte samt Anreisemöglichkeiten wird rechtzeitig an alle Teilnehmer versandt, ebenso genaue Hinweise zu den Quartieren.

Arbeitskreise:

  • Anfangslektüre in Europa (Leitung: John Bulwer)
  • Die Situation des Lateinunterrichts in Europa (Leitung: Eva Schough Tarandi)
  • Die Situation des Griechischunterrichts in Europa (Leitung: Liesbeth Berkvens)
  • Politik und die klassischen Sprachen (Leitung: Alfred Reitermayer / A, Paul Ieven / B)

Mittwoch, 23. April 2003

9-12 Uhr: Tagung des Exekutivkommitees der Euroclassica / Arbeitskreise
Parallelveranstaltung: Angebot einer speziellen Stadtführung: Mittelalterliches Wien

15 Uhr: Prof. Hans Joachim Glücklich (D): Ionathas. Eine Initiationsnovelle aus den Gesta Romanorum als Anfangslektüre.

16.30 Uhr: Prof. Dr. Maria-Eleftheria G. Giatrakou (GR): Ancient and Modern Greek Literature (Arbeitstitel, wurde noch nicht bestätigt)

19.30 Uhr: Antike Geschichte(n) in der Musik (Ort wird noch bekannt gegeben)

Donnerstag, 24. April 2003

9-12 Uhr: Tagung des Exekutivkommitees der Euroclassica / Arbeitskreise
Parallelveranstaltung: Besuch des Ephesosmuseums und / oder des Papyrusmuseums

14 Uhr: Exkursion nach Carnuntum ("Pompeji an der Donau") mit Exklusivführung

Freitag, 25. April 2003

9-12 Uhr: Tagung des Exekutivkomitees der Euroclassica / Arbeitskreise
Parallelveranstaltung: Der Verduner Altar - ein mittelalterliches Kleinod (Klosterneuburg)

15 Uhr: Univ. Prof. Dr. Kurt Smolak, Wien: Mythologie in mittellateinischer Lyrik

17 Uhr: Univ. Doz. Dr. Kurt Locek, Krems: Austria Latina im Curriculum

Samstag, 26. April 2003

9.30 - 12.30 Uhr: Generalversammlung der Euroclassica

Anmeldung:

Kolleginnen und Kollegen, die an einigermaßen preiswerten Quartieren interessiert sind, werden gebeten, eine fixe Anmeldung bis 31. Dezember 2002 an folgende Adresse zu richten:

Wilhelmine Widhalm-Kupferschmidt
Leopoldauer Platz 82/3
A-1210 Wien
e-mail: widhalm@gmx.net

Alle anderen Anmeldungen (wer sich selbst ein Quartier z. B. per Internet sucht) benötigen wir bis Ende Februar 2003.

Folgende Angaben werden erbeten:

  • Vollständige/r Name/n / Titel
  • Vollständige Adresse/n mit Telefonnummer/n und / oder e-mail
  • Ich / wir benötige(n) ein Quartier: Einbettzimmer oder Doppelzimmer
  • Anreisedatum
  • Abreisedatum
  • Ich / wir benötige/n Unterlagen / Führungen in Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch
  • Teilnahme an folgenden Veranstaltungen: Stadtführung Mittelalterliches Wien, Ephesosmuseum und / oder Papyrusmuseum, Exkursion nach Carnuntum, Verduner Altar (Umgebung Wiens)
  • Unterschrift, Datum
 

Rezensionen

Lutz Käppel, Das Modernitätspotential der alten Sprachen und ihre Bedeutung für die Identität Europas. Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI). Institut für Klassische Altertumskunde der CAU, D-24098 Kiel. e-mail luka@email.uni-kiel.de 51 S. ISBN 3-933307-98-8

Die Schrift von L. Käppel umfasst 4 Teile. Nach der Einleitung (S. 3-8) zeigt der Autor auf, dass in der Vergangenheit neue kulturelle Anfänge in Europa jeweils auf die Antike zurückgegriffen haben (S. 9-25). Im Kapitel "Europa und die griechisch-römische Antike am Anfang des dritten Jahrtausends", des Jahrtausends, das massgeblich durch den Dialog der Kulturen geprägt sein wird, wird zu Recht dargelegt, dass Dialog Selbstbewusstsein voraussetzt, und dass es europäisches Selbstbewusstsein nicht ohne die Antike gibt (S. 25-37). Im letzten Teil geht Käppel auf die mögliche Rolle der alten Sprachen in der Bildung des Individuums im postmodernen Europa ein (S. 37-48). Hier vor allem sucht der auf Argumente erpichte Leser und Lehrer Gründe, um den "Nutzen" seiner Lieblinge Latein und Griechisch aufzuzeigen ; er wird auch durchwegs gut bedient mit reflektierten und in einer modernen Sprache gehaltenen Darlegungen. Besonders wichtig scheint mir die Feststellung zu sein, dass in einer Kultur wie in einer Firma nicht nur die kurzfristige Effektivität zählt, sondern notwendigerweise auch Investitionen getätigt werden müssen, die erst langfristig gesehen Erträge bringen. Grade diese Überlegung müsste man im Umgang mit den Politikern und Bildungspolitikern anzubringen versuchen.

Alois Kurmann

 

Rezension zu: Duden, Das Bedeutungswörterbuch, 3., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag, Mannheim, 2002. sFr. 37,90

Die Erklärungen erfolgen wie schon in der zweiten Auflage von 1985 mit kursivem Interpretament, Beispielsätzen und der Angabe von Synonymen bzw. Zusammensetzungen. Die Illustrierungen sind weggelassen, was kein Nachteil ist.

Im Latein- und Griechischunterricht läßt sich ein Bedeutungswörterbuch gut einsetzen. Oft sind ja beim Wörterlernen nicht nur die fremden Wörter ein Rätsel, sondern auch die muttersprachlichen Äquivalente. Wenn exigere mit abwiegen oder erwägen übersetzt wird, so steht der Unterschied von wägen und wiegen in Frage. Ein Vorzug der neuen Auflage besteht darin, daß genau solche schwierigen Fälle in sogenannten Infokästen vorgeführt werden. Im einzelnen kann man natürlich anderer Meinung sein, so, wenn im Kasten zu ändern/verändern gemeint wird: "Wenn der Wandel jedoch ohne Absicht, ohne Willen und Ziel geschieht, darf nur verändern verwendet werden: Die Blätter haben sich verändert (ein anderes Aussehen erhalten)." Wie steht es aber mit dem Satz: Die Zeiten haben sich geändert? Hier zeigt sich die Gefahr aller Wörterbücher, daß nämlich allzu subtile Unterscheidungen durchgeführt werden. Oft sind aber die Bedeutungsdifferenzen mit der nötigen Vorsicht bestimmt ("Zahl und Anzahl werden heute häufig gleichbedeutend gebraucht"). Fragezeichen sind auch möglich bei den Angaben zur Stilebene. Ist anscheißen im Sinne von betrügen nun umgangssprachlich, derb oder emotional? Die Redaktion hält den Ausdruck für salopp. Diese Stilbestimmung wird allerdings im Abschnitt "Handhabung der Stilangaben" nicht erläutert. Vergessen hat man dort auch bildungssprachlich; mit diesem Begriff wird z. B. brisant als Synonym zu heiß bestimmt. Bei den Zusammensetzungen sind die Listen oft etwas lang geraten: zu Dienst folgen 19 Beispiele von Arbeitsdienst bis Zivildienst. Man kann auch fragen, ob wirklich überall noch die weibliche Form verbucht werden muß (die Vampirin).

Ein besonderer Vorzug des Buches besteht darin, daß, wie schon in der zweiten Auflage, die Elemente der Wortbildung vorgeführt werden, und zwar als selbständige Einträge. So kann man nachschlagen, was -bar alles bedeutet oder Öko- oder pan-. Sehr nützlich ist die "Liste der Wortbildungselemente" (S. 24-26). Den Artikel über das Suffix -bar kann man im Unterricht einsetzen, wenn z. B. das lateinische Suffix -bilis behandelt wird (zu sensibilis paßt sehr gut der Infokasten sensibel/sensitiv/sentimental). Auch hier sind allerdings Fragen möglich: Lohnt es sich, ein Wort wie öffenbar zu verbuchen (vom Fenster)?

Über die Anzahl der Stichwörter ist die Redaktion selber im unklaren, auf dem Buchdeckel werden 18.500 genannt, im Vorwort rund 17.000. Insgesamt handelt es sich um ein in der Anlage schönes und brauchbares Buch. Trotzdem muß vom Kauf dringend abgeraten werden.

Es geht um die Auswirkungen der sogenannten Rechtschreibreform, die das Bedeutungswörterbuch in seinem Zentrum, bei Bedeutungen und Wortbildung, unzuverlässig machen. Seit ihrer Einführung 1996 werden die neuen Regeln und Schreibweisen dauernd verändert; den Wörterbuchredaktionen ist es fast unmöglich, den jeweils neuesten Stand der Dinge zu bieten, besonders jetzt, da mit dem dritten Bericht zur Reform, den die zuständige Zwischenstaatliche Kommission kürzlich vorgelegt hat, neue "weit gehende" Änderungen (wie es im Bericht heißt) angekündigt sind. Das Bedeutungswörterbuch befindet sich aber auch im Widerspruch mit dem aktuellen Rechtschreib-Duden (2000) und vor allem mit der Sprachwirklichkeit. Ein paar Beispiele müssen genügen.

Wörter des Typs besorgniserregend wollten die Reformer in den meisten Fällen in Wortgruppen auflösen (Besorgnis erregend), was oft zu sehr seltsamen Sätzen führt ("Das ist Besorgnis erregend"). Die verschiedenen Generationen der reformierten Wörterbücher stellten die beseitigten Wörter nach und nach wieder her. Das Bedeutungswörterbuch ist noch auf dem Stand von 1996, z. B. wenn es erklärt, der Drache sei ein Furcht erregendes, Feuer speiendes Tier. Laut Rechtschreib-Duden gibt es furchterregend wieder, bei feuerspeiend wird man noch etwas warten müssen. Überholt ist auch der Eintrag, Mücken seien Blut saugende Insekten. Es geht hier um einen besonders produktiven Wortbildungstyp, der vom Bedeutungswörterbuch unterschlagen wird. Unterschlagen werden auch heiß- als Präfix von Attributen und voll- als verbales Präfix, die in der zweiten Auflage noch aufgeführt wurden; entsprechend findet man nun Wörter wie heißersehnt und sich vollfressen nicht mehr. Läßt die Neuauflage diese höchst lebendigen Bildungen weg, weil die neuen Regeln zu kompliziert sind? Der Rechtschreib-Duden bietet die Wörter in der Form heiß ersehnt und sich voll fressen. Zusammensetzungen mit hoch- schreibt das Bedeutungswörterbuch zusammen; zur Unterscheidung zwischen hoch gestellten Persönlichkeiten und hochgestellten Zahlen, hoch konzentrierter Säure und hochkonzentrierten Schülern, die der Rechtschreib-Duden durchführt, sagt es nichts. Es wird hier vom Rechtschreib-Duden in der Bedeutungsdifferenzierung übertroffen. Nicht richtig ist es, daß zwischen wiedersehen und wieder sehen nur eine orthographische Differenz besteht; in diesem Irrtum sind Bedeutungswörterbuch und Rechtschreib-Duden einig. Zusammen mit dem Rechtschreib-Duden stellt sich das Bedeutungswörterbuch gegen die Sprachwirklichkeit auch mit dem Ausdruck eine Zeit lang; viel häufiger ist eine Zeitlang. Ebenso kann man greulich nicht durch gräulich ersetzen; für beide Wörter gibt es genügend Belege. Dazu kommen Schreibweisen wie Leid tun, Recht haben, so genannt, welche alle eine bestimmte (wenn auch irrige) grammatische Theorie transportieren und gemäß dem oben erwähnten Kommissionsbericht wieder zurückgenommen werden sollen.

Fazit: Den Benutzern "mit Deutsch als Muttersprache" und den "Deutsch Lernenden", die im Vorwort genannt werden, bietet das Werk in vielen Punkten ein unvollständiges oder falsches Bild der Sprache. Korrekturen werden erfolgen; unterdessen verwendet man mit Vorteil die zweite Auflage.

Stefan Stirnemann, St. Gallen

(Siehe auch den Artikel zur Rechtschreibreform in dieser Nummer)

Binding Stiftung
Update: 17.11.2007
© webmaster
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