SAV/ASPC/ASFC
 
 

Bulletin 61/2003

Inhalt

 

Lector benevole

Die Generalversammlung unseres Verbandes hat am 8. November 2002 beschlossen, im Jahr 2003 in besonderer Weise die Werbung von Mitgliedern ins Auge zu fassen. Diese Werbekampagne soll vor allem durch den persönlichen Einsatz jedes Mitgliedes gewährleistet werden.

Das Bulletin, das wir Ihnen heute vorlegen können, enthält in reicher Zahl Material, das für die Werbung geeignet ist, spiegelt es doch die Spannung und Spannweite wider, in denen sich unsere Fächer bewegen. Vorgestellt wird die Februarnummer der "Schweizer Monatshefte", die eine Fülle von Reflexionen und praktischem Material enthält. Martin Meier nimmt ein Thema auf, das junge Menschen, die ihre ersten Kontakte mit dem Latein machen, immer wieder anzieht: das loqui Latine. Berichte von Veranstaltungen in der Schweiz (Basel) und im Ausland (Griechenland) zeigen, wie Schülerinnen und Schülern die klassische Kultur auch auf der Erlebnisebene nahe gebracht werden kann. Aber auch die vier Chronodisticha auf das Jahr 2004, die auf unseren Aufruf hin verfasst wurden, zeigen, dass Latein lebt. Ist doch gerade auch ein solch spielerischer, allerdings mit viel intellektuellem Schweiss verbundener Umgang mit dem Latein ein Zeugnis der Liebe zur Sache, die uns so sehr am Herzen liegt und für die wir uns in unserem Verband in vielfältiger Weise einsetzen. Der Hauptartikel von Bruno W. Häuptli widmet sich mit der Hinwendung zur Legenda Aurea einem Gebiet, auf dem sich die verschiedensten Fachvertreter treffen: Philologen, Historiker, Mediävisten, Theologen, Literaturwissenschaftler und Volkskundler. Immer mehr kommt im Zuge des Abbaus der Alten Sprachen ins Bewusstsein, dass für das geschichtliche Bewusstsein und für die Geschichtswissenschaften das Latein von fundamentaler Bedeutung ist.

Diese Nummer des Bulletin kann also auch unter dem Gesichtspunkt der vielfältigen Präsenz des Lateinischen und Griechischen in unserer heutigen Welt gelesen werden. Wir hoffen, dass durch die Lektüre des Bulletins viele Kolleginnen und Kollegen ermutigt werden, sich mit neuer Kraft und Überzeugung in ihrem Wirkungskreis dafür einzusetzen, dass unser Verein lebt und wächst und dass junge Menschen weiterhin die einmalige Chance nutzen können, die klassischen Sprachen und deren Kulturen kennen zu lernen.

Das beigefügte Faltblatt - entsprechend den Sprachregionen auf deutsch, französisch oder italienisch - soll es uns ermöglichen, die an der GV eingegangene Verpflichtung zur Mitgliederwerbung in die Tat umzusetzen. Wer zusätzliche Exemplare dieses Faltblattes benötigt, kann sie in kleiner Anzahl bei Lucius Hartmann bestellen.

Alois Kurmann
 

Thematischer Artikel

Legenda Aurea - auf dem Weg zu einem neuen Bild

Ob Niklaustag, Weihnachten oder Fest des Franz von Assisi, die anekdotenhaften Kurzgeschichten aus der in der Mitte des 13. Jahrhunderts verfassten Legenda Aurea des Jacobus de Voragine (JV) werden manchem Latinisten vielleicht schon aus seiner eigenen Schulzeit in Erinnerung geblieben sein, dem Lehrer als Lateinlektüre für Anfänger oder zur Auflockerung des Unterrichts gedient und seine Vorstellung von mittelalterlichem Latein geprägt haben. Erleichterten Einstieg bot die verbreitete Übersetzung von Richard Benz, die einzige, die den vollständigen Text enthält und deren Volksausgabe seit 1925 wiederholt aufgelegt wurde. Im Vorwort heisst es dort: "Nicht als Gelehrter, nicht als Geistlicher und kunstbeflissener Mönch, sondern als Mann des Volkes hat Jacobus de Voragine seine Geschichten erzählt; mit der Einfalt und Erfülltheit, die zu allen Zeiten das Volk in seinem Reden und Erzählen besessen hat. [] Die Form der Erzählung, die das Volk zur Herrschaft bringt, ist die Prosa: nicht eine naturalistische Verkehrs- und Alltagssprache; auch nicht eine verzwickte, geschmückte Rhetorik: sondern die dem einfachsten Manne verständliche reine Sprache des Märchens." Im Anschluss daran liest man noch 1996 in der neusten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche (5,733), der Autor "verbinde erbauliche Zielsetzung mit ansprechend-schlichter Erzählweise". So wird es wohl erstaunen, dass dieses umfangreiche, seit der Gegenreformation als naiv verpönte Werk in den beiden letzten Jahrzehnten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist (der Schreibende beteiligte sich daran mit einem Nationalfondsprojekt). Neu sind solche Bemühungen um hagiographische Texte allerdings nicht, hatte doch schon im 17. Jahrhundert der Jesuitenpater Jean Bolland und in seiner Nachfolge die nach ihm genannten Bollandisten die schriftlichen Quellen der Heiligenviten in den Folianten der Acta Sanctorum kritisch ediert und mit kritischen Studien (Analecta Bollandiana) laufend begleitet. So ist auch über JV in den letzten Jahren eine Reihe wichtiger Publikationen erschienen, die ein ganz anderes Licht auf Werk und Autor werfen, von denen nur die wichtigsten erwähnt werden können, u.a. eine Monographie über die fast 1000 erhaltenen Handschriften (B. Fleith, Studien zur Überlieferungsgeschichte der lateinischen Legenda Aurea, Subsidia hagiographica 72, Bruxelles 1991), Vorstudien zu einer kritischen Ausgabe (G.P. Maggioni, Ricerche sulla composizione e sulla trasmissione della "Legenda Aurea", Centro italiano di studi sull'alto medioevo, Biblioteca di Medioevo Latino 8, Spoleto 1995) und die zweibändige kritische Ausgabe selbst, welche die bisherige Edition Graesses vollumfänglich ersetzt (G.P. Maggioni, Iacopo da Varazze, Legenda Aurea, Millennio Medievale 6, Testi 3, Tavarnuzze 1998, 2. verb. Aufl. 1999, auch auf CD erschienen). Viele Fragen waren oder sind noch zu klären, solche der Biographie, der Textüberlieferung, der Arbeitsweise, der Zielsetzung, der Textstruktur, der Quellenbenutzung, der Gattungsgeschichte.

Autor und Werk

Das Städtchen Varazze östlich von Genua ist heute zwar stolz auf seinen ehemaligen Bürger (www.rivieraligure.it), doch wohl zu Unrecht, denn Jacobus entstammte ziemlich sicher dem genuesischen Adelsgeschlecht der De Varagine oder, volksetymologisch latinisiert, De Voragine, das seit dem 12. Jh. durch private und öffentliche Urkunden auch ausserhalb Genuas mehrfach bezeugt ist. Autobiographische Nachrichten sind in seinem zweiten grossen Werk, der Chronica civitatis Januensis, enthalten, an dem er bis kurz vor seinem Tod (1298) arbeitete. Daraus erfahren wir, dass er 1244 im Jünglingsalter dem Dominikanerorden beitrat, während sich Papst Innozenz IV., der selber dem genuesischen Adel angehörte, auf der Flucht vor Kaiser Friedrich II. längere Zeit in Genua aufhielt. 1260 wurde JV Lektor in Genua und war damit verantwortlich für die Studia des Dominikanerklosters. In dieser Zeit arbeitete er intensiv an der später so genannten Legenda Aurea, deren 177 Kapitel (144 Heilige, 33 Kirchenfeste) rund tausend Seiten umfassen. Für die Datierung dieses Werks haben wir zahlreiche Anhaltspunkte: Das letzte Wunder, von dem berichtet wird, spielt im Jahr 1259, wofür als Quelle die Vitas [sic] Fratrum dienten, die Gerhard von Fracheto im Auftrag des Ordens verfasst und auf dem Generalkapitel in Strassburg an Pfingsten 1260 abgeliefert hatte. Noch präzisere Daten liefert die Vita Francisci. Terminus post ist die Approbation von Bonaventuras Legenda Maior auf dem Generalkapitel von Pisa am 20.5.1263, die JV bereits anhangsweise benützt, terminus ante ist der Beschluss des franziskanischen Generalkapitels in Paris 1266, wonach die älteren Fassungen hätten vernichtet werden sollen (omnes legende de beato Francisco olim facte deleantur et, ubi extra ordinem inveniri poterunt, ipsas fratres studeant amovere), die aber bei JV teilweise erhalten sind.

"Stilloser" Bestseller

Als JV von seinem Orden, dem der Dominikaner oder Prediger (ordo praedicatorum) zwischen 1250 und 1260 den Auftrag erhielt, die Legenden von Heiligen zu sammeln, wäre ihm kaum in den Sinn gekommen, dass sein Werk nicht nur in Latein, sondern auch in den Volkssprachen in ganz Europa reissenden Absatz finden würde, und auch heute ist es noch schwer zu verstehen, was den Erfolg des Werkes ausgemacht haben kann, denn das von Richard Benz entworfene Bild hat sich seither grundlegend gewandelt. Als völlig falsch hat sich die Ansicht herausgestellt, der Autor habe sich gleichsam als Vorläufer der Gebrüder Grimm auf den Weg gemacht, dem Volk auf den Mund zu schauen und zu notieren, was von den Heiligen zu seiner Zeit an Geschichten noch im Umlauf gewesen wäre. Das Gegenteil ist der Fall: JV benützt mit einer einzigen sicheren Ausnahme, wo zudem der Informant angegeben ist, nur schriftliche Quellen und zwar vielfältigster Art. Ausser der reichlich herangezogenen Bibel sind es bald Predigten, Traktate, Gedichte, bald Chroniken oder Kirchengeschichten, bald Kompilationen, wie er sie selber zu schreiben im Begriff ist, vielfach aber auch Apokryphen, die teilweise anstandslos als solche deklariert werden, oder als solche nicht erkannte Fälschungen sowie Pseudepigraphen (besonders häufig Pseudo-Augustinus). Er selber formuliert es in der von ihm verfassten Chronik von Genua so: Frater Iacobus Ianuensis legendas sanctorum in uno volumine compilavit, und weist summarisch auf die Quellen hin: Historia ecclesiastica (Eusebius), Historia tripartita (Cassiodor), Historia scholastica (Petrus Comestor) und verschiedene Chroniken. Das ist aber, wie wir heute wissen, eine sehr bescheidene Auswahl. In Wirklichkeit sind inzwischen einige tausend Zitate aus mehreren hundert Texten nachweisbar, die quer durch die Kirchengeschichte gehen. Das prägt auch den Stil dieser Sammlung, der alles andere als persönlich geprägt, sondern gerade dadurch gekennzeichnet ist, dass die Vorlagen zwar kompiliert, gekürzt, gelegentlich zusammengefasst sind, doch mit der Tendenz, den originalen Wortlaut nach Möglichkeit beizubehalten, so dass der Spielraum für sprachliche Eigenschöpfung stark begrenzt bleibt. Von persönlichem "Stil" kann man deshalb eigentlich nicht sprechen, vielmehr haben wir es bald mit nüchterner Erzählung in der einfachen Sprache der biblischen "Fischer", bald mit rhetorisch-theologischem Prunk zu tun.

Konzept

Der Erfolg eines scheinbar so zwiespältigen Werkes lässt sich, soweit es sich um die lateinische Fassung handelt, nicht im Sinne einer volkstümlichen Breitenwirkung verstehen, sondern erklärt sich aus seiner Funktion als Arbeitsbuch, das dem Prediger das nötige theologische und narrative Material in konzentrierter Form bereitstellte. Oberflächliche Versuche, die Quellen JVs zu eruieren, hatten sich auf die Dominikaner Jean de Mailly und Bartholomäus von Trient konzentriert, die mit ihren Legendaren das gleiche Ziel verfolgt hatten und aus denen JV, wie sich jetzt zeigt (u.a. anhand der Neuedition von Bartholomäus von Trient durch E. Paoli, Tavarnuzze 2001, vgl. dazu den Artikel im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, www.bbkl.de), tatsächlich einzelne Kapitel der Einfachheit halber übernommen hat, während minutiöse philologische Studien (Altaner 1922 zur Vita des Dominikus, Patres Franciscani zu Franziskus 1941) ein differenziertes Quellenstudium des Autors nachwiesen. Seinen beiden Vorläufern ist JV jedoch vor allem durch sein Konzept weit überlegen. Den Hauptblock bilden zwar die dem Lauf des Kirchenjahrs zugeordneten "Legenden", die Viten der Bekenner und die Passionen der Märtyrer, diese aber von unterschiedlichem Gewicht und eingebettet in die grossen Feste Weihnachten, Neujahr, Epiphanie, Ostern, Auffahrt und Pfingsten und die Marienfeste, die jeweils ausgiebig Anlass zur Behandlung theologischer Fragen geben. Den Rahmen bildet die eschatologische Deutung der Weltgeschichte und ihrer Epochen (ante legem, sub lege, sub gratia), der die liturgischen Lesungen durch das Kirchenjahr hindurch entsprechen. So ist die Legenda Aurea sowohl hagiographisches Sammelwerk wie liturgisches und theologisches Handbuch. Nicht nur die Stoffe, die sie zur Verfügung stellt - am umfangreichsten sind neben den kirchlichen Festen die Ordensgründer Bernhard, Dominikus und Franz von Assisi, der Kirchenvater Augustin und, was zeitgeschichtlich brisant war, der von seinen Gegnern ermordete dominikanische Inquisitor Petrus Martyr von Verona behandelt -, sondern auch ihre Deutung helfen uns heute wesentlich zum Verständnis der bildenden Kunst des Mittelalters.

"Legende"

Mit dem Begriff der Legende, der nicht vor dem 12. Jh. belegt scheint, ist damals keineswegs das "Legendäre" gemeint. Legenden sind, wie der Name sagt, Lesetexte, zunächst liturgische Lesetexte für Kirche oder Konvent, insbesondere die Vita der Nichtmärtyrer: Passiones debent legi in festis martyrum, legende in festis confessorum, scilicet uite eorum, heisst es im liturgischen Handbuch des Johannes Beleth († 1190). Darunter sind auch ausgesprochen historische Texte zu rechnen, deren Autor bekannt war, wie die Vita der Agnes von Ambrosius: De beata Agnete, cuius legendam conposuit beatus Ambrosius. In bestimmten Fällen ist der Leser- oder Zuhörerkreis genau definiert, so im Titel der Franziskuslegende des Thomas von Celano, Legenda ad usum chori, "Lesetext für den Gebrauch im Mönchschor". Legende bedeutet aber auch eine bestimmte schriftliche Fassung einer Legende, die man mit anderen Fassungen vergleichen kann. Und schliesslich bezeichnet man damit auch das Legendar, den liber legendarius: Legenda vocatur liber, ubi agitur de vita et obitu confessorum. So ist auch der Titel von JVs Sammlung zu verstehen. Wie vielfach in der Buchproduktion des Mittelalters spielt der Titel des Werkes nur eine untergeordnete Rolle. Titelseiten sind eine spätere Erfindung des Buchdrucks, während die Inkunabeldrucke noch die Praxis der Handschriften fortführen. An originalen Titeln finden wir im 13. Jh., wenn überhaupt, zu Beginn (Incipit) und/oder am Ende des Textes (Explicit), und auch dies nicht immer kongruent, eine Reihe verschiedener Bezeichnungen, am häufigsten Legende Sanctorum, aber auch den kollektiven Singular Legenda Sanctorum oder einfach Legende, Vite Sanctorum, Passionarius, Novum Passionale, nach dem historischen Exkurs vor dem Schlusskapitel Legenda Lombardica. Der heute in der Forschung gebräuchliche Titel Legenda Aurea, der schon in einer um 1290 zu datierenden Handschrift bezeugt ist, deutet auf einen raschen Erfolg hin.

Reiz der Philologie

Die Legenda Aurea ist nicht nur einer der zitatenreichsten Texte des Mittelalters überhaupt, sondern wohl der reichste an ausgewiesenen Zitaten. Für den Philologen stellt es einen besonderen Reiz dar, die Vorlagen zu identifizieren und sowohl die Genauigkeit der Zitierweise - hier erweist sich JV als erstaunlich zuverlässiger Philologe - wie die Genauigkeit der handschriftlichen Überlieferung zu überprüfen. Die erste Aufgabe, die sich stellte, war die Suche nach den zuverlässigsten Handschriften. Maggioni hatte nicht weniger als 30 Haupt- und 40 Nebenhandschriften untersucht und weitgehend kollationiert, sich dann aber für die Ausgabe auf fünf beschränkt. Doch hatte bereits Benz erste Vorarbeiten geleistet, die allerdings fast unbekannt blieben, weil er sie nicht in der bekannten Volksausgabe, sondern nur in der handgebundenen, mit handgemalten Initialen ausgestatteten Prunkausgabe von 1917/1921 dokumentiert hatte. Die Berichtigungen gegenüber der Ausgabe Graesses, die ihm so glückten (rund 700), gingen in seine deutsche Übersetzung ein (dies erklärt denn auch die oft irritierenden und von späteren Philologen nicht verstandenen Abweichungen von Graesse). Maggionis Berichtigungen betragen ein Vielfaches davon. Der Erfolg war einerseits den modernen Datenbanken zu verdanken, anderseits dem Spürsinn des Philologen, der auch zahlreiche unpublizierte Werke und entlegenste Editionen heranzog. Dennoch war es möglich, auf diesem Weg noch weiterzukommen, wie sich im Lauf der Arbeit herausstellte. Wenn JV grundsätzlich die von ihm herangezogenen Originale genau wiedergab, dann war ein Kriterium für die Qualität einer Handschrift die Genauigkeit, mit der die Quellen zitiert werden. Als überlegen erwiesen sich in dieser Hinsicht zwei von Maggioni unterschätzte Handschriften, die zufällig auch die ältesten erhaltenen sind (die Metzer Handschrift von 1273, die viele Fragen hätte klären können, verbrannte im 2. Weltkrieg): Paris, Nouv. acq. Lat. 1800, datiert 1281, und München, clm. 13029, datiert 1282 (diese entdeckt von Benz). Diese bilden denn auch die Textgrundlage der neuen zweisprachigen und kommentierten Ausgabe.

Datenbanken

Auf grossen Bibliotheken sind die grossen Sammelwerke in originalem Layout mit sämtlichen Fussnoten online verfügbar: Acta Sanctorum (im Druck ca. 70 Folianten), Patrologia Latina (221 Bände). Als Ergänzung zur Bibliotheca Hagiographica Latina (BHL) ist der Nachweis der in Handschriften erhaltenen hagiographischen Texte jederzeit abrufbar: http://bhlms.fltr.ucl.ac.be. Auf CD-ROM erschienen sind: Patrologia Latina (5 CDs), CETEDOC (Texte des Corpus Christianorum, Series Latina und Continuatio Mediaevalis, 2 CDs), Corpus Augustinianum Gissense (1 CD, nur die zur Zeit als echt geltenden Werke).

Die auf 8 Bände angelegte Ausgabe der Legenda Aurea mit lateinischdeutschem Text und Kommentar erscheint in der Reihe Fontes Christiani, deren Forschungsstelle von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bochum (Prof. W. Geerlings) betreut wird, beim Verlag Brepols in Turnhout (früher Herder, Freiburg i.B.) ab 2003/2004.

Bruno W. Häuptli
 

Anzeigen und Mitteilungen

Generalversammlung vom 8. November 2002 in Baden
Bericht des Präsidenten

Überschattet wurde das Vereinsjahr durch den plötzlichen Tod unseres sehr geschätzten Vorstandsmitglieds Theodor Knecht. Wer hätte an der letztjährigen Jahresversammlung gedacht, dass er, der uns mit seinem Referat Zu den Quellen von ad fontes einen tiefen Einblick in sein akribisches philologisches Schaffen gab, schon eineinhalb Monate später seinen irdischen Weg beendet haben würde? Theodor Knecht, der profunde Kenner und Könner der Alten Sprachen, hat äusserst viel für den SAV geleistet, ohne sich, bescheiden, wie er war, jemals darauf etwas einzubilden. Insbesondere hat er mit grosser Umsicht und Geduld während 24 Jahren unser Bulletin herausgegeben und dem Vorstand mit seiner reichen Erfahrung und seinem tiefgründigen Humor viel gegeben. Für all das möchte ich Theodor Knecht - und ich tue das auch im Namen des Vorstands und der Mitglieder - herzlich danken.

Die fristgerechte Herausgabe des Bulletins 59 machte keine Schwierigkeiten, hatte doch Lucius Hartmann, zuständig für alles Elektronische, schon einige Zeit mit Theodor Knecht zusammengearbeitet; zudem war vom Vorstand schon früher Alois Kurmann als künftiger Redaktor bestimmt worden. Dass mit der neuen Redaktion auch Änderungen in "Outfit" und Inhalt ihren Platz gefunden haben, liegt in der Natur der Sache und schmälert keineswegs Theodor Knechts grosse Verdienste um das Bulletin.

Um eine der Kernaufgaben des SAV, die Weiterbildung, hat sich wiederum unsere Expertin, Christine Haller, äusserst verdienstvoll gekümmert und den für einmal mehrheitlich von Romands besuchten Kurs Gender Studies in Villars-sur-Glâne/Fribourg vom 24.-27. September mit den Referentinnen Regula Frei-Stolba (Universitäten Bern und Lausanne), Anne Bielman (Universität Lausanne) und dem Referenten Thomas Spaeth (Universität Basel) zur grossen Zufriedenheit der Teilnehmenden organisiert. Ein ausführlicher Bericht folgt im nächsten Bulletin. Dass unter anderem auch infolge zunehmender schulinterner Weiterbildung in den letzten Jahren die Teilnehmerzahlen an unseren Kursen eher bescheiden waren, ist für den Vorstand Gegenstand grosser Besorgnis.

Als Vertreterin unseres Verbandes nahm ebenfalls Christine Haller an der Generalversammlung der Euroclassica, des europäischen Dachverbandes der Altphilologen, in Coimbra, Portugal, teil. Durch ihre Vermittlung konnten insgesamt drei Lehrkräfte und sechs Schüler aus der Schweiz die von Euroclassica angebotenen Sommerkurse in Chios und Anavyssos besuchen.

Der Vorstand traf sich zu drei Sitzungen - und zwar in Olten, Einsiedeln und Fribourg - und befasste sich wie gewohnt mit Finanzen, Weiterbildung und PR-Arbeit, diesmal hauptsächlich mit Mitgliederwerbung. So rasch wie möglich kam er dem an der letztjährigen Generalversammlung erhaltenen Auftrag nach, alle Erziehungsdirektionen der Schweiz - ausser SG - mit der St. Galler Broschüre "Die kräftigsten Wurzeln reichen in die Antike zurück", versehen mit einem Begleitschreiben, zu beliefern. Fünf Kantone, nämlich AI, BL, LU, SO, VD, haben darauf reagiert. Ob das als Erfolg zu werten ist, bleibe dahingestellt. Immerhin fand unser Aargauer Kollege Hans Widmer die Antwort der Solothurner Bildungsdirektorin (s. Bulletin 59) so bemerkenswert, dass er ihren Text im Circulare, dem Organ der klassischen Philologen Österreichs, abdrucken liess (Nr. 2/Mai 2002) - PR über die Landesgrenzen hinaus! Zudem galt es wiederum, zu Vernehmlassungen Stellung zu nehmen. Auch wenn unsere Stimme nicht viel Gewicht hat, wird sie doch jeweils zusammen mit den Antworten anderer Fach- und Kantonalverbände vom Zentralvorstand des VSG, unseres Dachverbandes, zu einer Antwort verarbeitet, scheint es uns doch wichtig zu sein, dort, wo wir etwas beitragen können, Präsenz zu markieren. Dieses Jahr haben wir zur "Passerelle Berufsmatur - Gymnasialmatur/Universität", zu den Empfehlungen der EDK zur Weiterbildung von Lehrpersonen aller Stufen und zu den Empfehlungen der Expertengruppe für die Grundausbildung der Lehrpersonen an der Volksschule und der Sekundarstufe II im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie ICT Stellung bezogen.

Zum Schluss bleibt mir die angenehme Pflicht, allen, die sich in Wort und Tat für die Belange des SAV einsetzen, vor allem der PR-Kommission, die in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Alten Sprachen in der Bildungsszene überhaupt noch wahrgenommen werden, und dem Vorstand, der mit mir stets gut zusammengearbeitet und mich jederzeit tatkräftig unterstützt hat, von Herzen zu danken.

Ein Letztes: Heute schliesst sich für mich ein Kreis. Vor sechs Jahren bin ich hier in Baden zum Präsidenten gekürt worden, an gleicher Stätte lege ich mein Amt nieder. Ich tue das in der Hoffnung, die sechs Jahre meiner Präsidentschaft seien für den Verband nicht nachteilig gewesen. Wenn ich für mich selber Rückschau halte, bestätigt sich Vergils Wort, das er Jupiter sagen lässt:

Sua cuique exorsa laborem
fortunamque ferent.
Jedem bringt, was er beginnt, Leiden und Freuden.
Wobei Letzteres bei weitem überwog.

Beno Meier

Protokoll der Generalversammlung
8. November 2002 um 16.15 an der Kantonsschule Baden

Vorsitz: B. Meier
Anwesende Mitglieder: 41
Entschuldigt: R.Coray, B. Gemelli, Th. Henzi, G. Huber, M. Müller, G. Reggi, P. Roos, R. Wachter

Nach einem Referat um 15.00 von Frau Dr. A. Kaufmann-Heinimann zum Thema Der Silberschatz von Kaiseraugst: Neue Stücke - Neue Erkenntnisse fand um 16.15 die Generalversammlung statt.

Der Präsident begrüsst die Mitglieder und eröffnet die Versammlung mit zwei einleitenden Bemerkungen:

  • Für 2005 ist ein Kongress des VSG (früher Studienwoche) in Zürich geplant unter dem (nicht übersetzten!) Titel 'Homo ludens - Homo faber'. Es werden Vorschläge für Kursthemen gesucht, besonders solche, die sich für die Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Fächer eignen. Der Präsident nimmt solche Anregungen gern entgegen.
  • Es kommt immer wieder vor, dass Mitglieder versehentlich aus der Adressliste für das Bulletin herausfallen. Falls jemand plötzlich das Bulletin nicht mehr bekommt: Bitte reagieren und sich an die Redaktion wenden.

Die Sitzungsordnung wird genehmigt.

1. Protokoll der GV vom 9.11.01 in Luzern

Das Protokoll wird genehmigt.

2. Bericht des (scheidenden) Präsidenten

In einer kurzen Würdigung gedenkt der Präsident unseres langjährigen Vorstandsmitgliedes und Bulletin-Redaktors Theodor Knecht, der Ende letzten Jahres gestorben ist. (Alle erheben sich, um das Andenken an Th. Knecht zu ehren.)

Die Herausgabe des Bulletins 59 verlief problemlos, da die neue Redaktion schon vorher mit Th. Knecht zusammengearbeitet hatte.

Im Rahmen der Weiterbildungskurse hat Ch. Haller vom 24.-27. September 2002 in Villars-sur-Glâne FR einen Kurs zum Thema Gender Studies organisiert. Er war ein grosser Erfolg und wurde erstmals auch von Seiten der Romandie gut besucht. Zu Besorgnis Anlass gibt allerdings die geringer werdende Teilnehmerzahl, was wohl im Zusammenhang steht mit den zahlreichen schulinternen und kantonalen Fortbildungstagen.

Der Vorstand traf sich für 3 Sitzungen, die sich vor allem mit den Themen Weiterbildung, PR und Mitgliederwerbung befassten.

Mit dem Dank an alle, die ihn unterstützt haben (und einem Vergilzitat, das ihn in Jupiters Nähe rückt), beschliesst B. Meier die Zeit seines 6-jährigen Präsidiums.

Mit ausgiebigem Applaus danken ihm die Mitglieder für seine Arbeit.

3. Rechnung: Bericht des Kassiers und der Revisoren

Der Kassier ist der Meinung, dass trotz budgetiertem Ausgabenüberschuss vorläufig genügend Geld in der Kasse ist.

Die Revisoren machen den Vorschlag, die Beiträge für das Bulletin gelegentlich zu erhöhen.

Die Jahresrechnung wird einstimmig angenommen.

4. Wahlen: Statutarische Wahl des Präsidenten, des Vorstandes und der Revisoren

Andrea Jahn übernimmt neu das Präsidium. In wohlgesetztem und natürlich auch wohlklingendem Italienisch stellt er sich kurz vor. Er sei der erste Tessiner in diesem Amt und sehe sich verbunden mit allen drei Sprachregionen. Auch stelle er fest, dass die Probleme an allen Gymnasien der Schweiz ähnlich seien. Es sei aber erfreulich zu sehen, dass sich immer wieder junge Leute für unsere Themen begeistern können.

Der neue Präsident wird mit Applaus gewählt, der Vorstand und die Revisoren bestätigt.

5. Anträge des Vorstandes und der Mitglieder

Mitgliederwerbung: A. Kurmann erklärt das Jahr 2003 zum Jahr der Mitgliederwerbung (auf persönlicher Basis). L. Hartmann hat kleine Broschüren mitgebracht mit dem entsprechenden Werbetext und Anmeldeformularen. Die Broschüren sind auch als Vorlage für weitere Kopien gedacht.

6. Varia

Clemens Müller weist darauf hin, dass die St. Galler Broschüre Die kräftigsten Wurzeln reichen in die Antike zurück gratis bezogen werden kann unter der Adresse: Fachgruppe Alte Sprachen, Kantonsschule am Burggraben, 9004 St. Gallen.

Stefan Stirnemann sucht zusätzliche Finanzquellen für die Herausgabe eines Dossiers der Schweizer Monatshefte im nächsten Jahr, das den klassischen Sprachen gewidmet sein wird. Die Schweizer Monatshefte behandeln Themen aus Politik, Kultur und Wirtschaft und richten sich auch an ein Leserpublikum in Deutschland und Österreich. Von den benötigten ca. 25'000 Fr. ist erst etwa die Hälfte zugesichert.
Nützliche Hinweise sind zu richten an Stefan Stirnemann, Tigerbergstrasse 10, 9000 St. Gallen.

Theo Wirth informiert über einen Beratungsdienst für die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien im Unterricht (ict).
Die Adresse lautet: www.ictgymnet.ch
Vorgehen: Frage eintippen - wird an Fachspezialisten weitergeleitet.
einfaches E-Mail / erste Beratung: gratis
Kurse: Honorar ist zu vereinbaren.

Alois Kurmann und Christine Haller organisieren am 24. Mai 2003 ein Treffen von Griechischschülern im Kloster Einsiedeln. Bis jetzt sind 20 Anmeldungen eingegangen, es werden noch mehr erhofft.

Christine Haller teilt mit, dass die Kosten für die Teilnahme an der Academia Homerica auf Chios weiterhin 300 EURO (nicht 500, wie es im Bulletin steht) betragen.

Die GV 2003 findet in Frauenfeld statt.

Marly, 18.11.2002

Protokollführung:
Agnes Kriebel

"Klassische Sprachen: Notwendigkeit oder Luxus?" in: Schweizer Monatshefte für Politik, Wirtschaft und Kultur 83, 2003, Heft 2 / Februar.

Dem Einsatz der zwei St. Galler Kollegen Clemens Müller und Stefan Stirnemann ist eine besondere PR-Aktion zu Gunsten der Klassischen Sprachen zu verdanken. In der in politischen und wirtschaftlichen Kreisen weit verbreiteten und zur Kenntnis genommenen Zeitschrift "Schweizer Monatshefte" haben sie durch gute Beziehung zu deren Hauptredaktor Robert Nef ein ganzes Dossier zum Thema "Klassische Sprachen" realisieren können.

Das Besondere an diesem Bündel von Artikeln ist, dass Vertreterinnen und Vertreter von ganz verschiedener Herkunft und in verschiedenen Arbeitsbereichen zum Thema Latein und Griechisch in unserer Gesellschaft Stellung nehmen. Verenea Meyer, Physikerin und frühere Rektorin der Universität Zürich hat eine einführende Stellungnahme verfasst, in der sie betont, dass die alten Sprachen ein "Festlandsockel" sind, der in der Menge der Spezialisierungen Grund und Sicherheit zu geben vermag. Sascha Spoun, Dr. oec. et dipl. sc. pol., Projektleiter der Neukonzeption Lehre an der Universität St. Gallen, weist darauf hin, dass in der neuen Studienordnung mit Assessment-, Bachelor- und Master-Stufe eine ganzheitliche Bildung angestrebt wird, für die die Literatur eine wichtige Rolle spielt; darum sei "eine klassische Gymnasialbildung als geistige Ausstattung eine hervorragende Grundlage für eine allgemeine Studierfähigkeit und geeignete Voraussetzung für Studiengänge an der HSG". Äusserst interessante Informationen gibt eine Stellungnahme von Kathleen Coleman aus Simbabwe, die zur Zeit der Apartheid an der Universität Kapstadt unterrichtete. Für sie und viele ihrer Studenten waren Sallust (bes. im Belllum Iugurthinum), Apuleius (in der Apologia), Augustin und andere mit Afrika verbundene Autoren politische Hoffnungsträger; so wurde auch nach dem Gesetz von 1960, das die Rassentrennung an den Universitäten einführte, in der Bibliothek der Universität in lateinischer Sprache die erepta libertas beklagt und später die Jahrzahl 1993 angefügt, die die Aufhebung der Rasentrennung dokumentiert. Unter der Rubrik "Non scholae, sed vitae..." kommen Persönlichkeiten des politischen und kulturellen Lebens mit persönlichen Stellungnahmen zu Wort, so Richard von Weizsäcker, Urs Frauchiger, Milo Rau, aber auch Studenten, die erst vor kurzem die Matura gemacht haben. Gerade hier finden sich pointierte Aussagen, die nicht nur Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ansprechen können, sondern eine Basis für das Gespräch mit der Öffentlichkeit ergeben. Überhaupt sind alle Artikel mit dem Ziel geschrieben, dass der Dialog mit Vertretern der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Welt neue Anstösse erhält. Auf der Ebene der Sprachendiskussion um Frühenglisch, Priorität von Französisch oder Englisch und um die "Nützlichkeit" der zu lernenden Sprachen bietet der Artikel unseres Kollegen Rudolf Wachter über ein Gesamtsprachenkonzept eine klärende Sicht, die allen Vertretern der modernen Sprachen dringend zur Lektüre empfohlen werden muss. Das Heft enthält noch andere wertvolle Artikel, die hier aus Platzgründen nicht erwähnt werden können.

Alle, die zur Realisierung dieses Heftes beigetragen haben, verdienen einen besonderen Dank. Nun sind alle Anstrengungen zu unternehmen, dass dieses Heft in der Öffentlichkeit die Resonanz erfährt, die es zu Recht anstrebt. Darum wird es nicht nur den Vertretern der Bildung auf der politischen Ebene zugestellt, sondern jeder von uns ist aufgerufen, mit Hilfe der Vielfalt der dargelegten Gedanken das Gespräch in der Öffentlichkeit neu in Gang zu bringen.

Der Altphilologenverband hat eine Anzahl Hefte gekauft, die zum Selbstkostenpreis von Fr. 2.- bezogen werden können bei: Gymnasium am Münsterplatz, Sekretariat, Postfach 4001 Basel, Tel. 061 267 88 70, Fax 061 267 88 72, Mail rolf.surbeck@bs.ch oder anja.wegmueller@bs.ch.

Alois Kurmann

Hellenon agora

Griechenland ist im Trend: weissgetünchte Häuser, Inseln, Strände. Scharen von Kultur-Touristen auf der Akropolis und im Stadion von Olympia. Mittwoch, 23. 10. 2002 auf dem Basler Münsterhügel: für einmal ist Alt-Griechisch "in": Nicht weniger als 130 GymnasiastInnen, die Griechisch lernen, haben sich mit ihren Lehrkräften eingefunden. Die Zentrale Fachkonferenz Alte Sprachen von BS hat eingeladen zur Hellenon Agora, zum Markt der Griechen unter dem Motto: Griechisch im Blickpunkt. Gefolgt sind der Einladung sämtliche Gymnasien der Region, einschliesslich Olten und Lörrach - sowie eine Vertretung aus dem Elsass.

Das Vormittagsprogramm läuft auf zwei Schienen: Im Antikenmuseum begrüsst ein begeisterter und begeisternder Direktor die SchülerInnen und führt mit seiner Crew durch Themen aus der griechischen Mythologie. Die Lehrkräfte treffen sich gleichzeitig zum Kolloquium. Im Gespräch mit dem neuen Ordinarius für Griechisch, Prof. Anton Bierl, und weiteren FachvertreterInnen der Universität - darunter die neue Ordinaria für Latein, Prof. Henriette Harich-Schwarzbauer - geht es um Perspektiven des Griechischen am Gymnasium. Wie kann das Fach die Chancen nutzen, die sich aus dem breiten Interesse für die alten Kulturen ergeben? Welches sind die Fortbildungsbedürfnisse der Lehrkräfte?

Zum Gastmahl im altehrwürigen Münstersaal des Bischofshofs treffen sich 180 Beteiligte - Lehrende und Lernende.

Der Nachmittag beginnt in der Aula des Gymnasiums am Münsterplatz. Der Rektor begrüsst - und stellt die Weitnauer-Stiftung vor, die das Patronat der Veranstaltung übernommen hat. Prof. Rudolf Wachter geht in seinem Vortrag der spannenden Frage nach, wie die Griechen zu ihrem Alphabet gekommen sind. Es folgen Berichte von Griechenlandprojekten der verschiedenen Schulen. Zum Schluss der Tagung der Besuch auf einer Probebühne des Theaters Basel, wo gerade ein grosser Euripides-Abend "Krieg um Troia" vorbereitet wird - Premiere am 14. 11. 2002!

Fazit: Im neuen Matur-Modus stehen rund zehn Schwerpunktfächer in Konkurrenz zueinander. Wer eines wählt, verzichtet auf ein anderes. Das gewählte Fach wird an seinem "Gegenwert" gemessen. Das Griechisch mit seinem Reichtum in Sprache, Literatur, Mythos, Kunst, Philosophie und Geschichte muss sich dabei nicht verstecken. Das gemeinsame Erlebnis der Agora hat deutlich gemacht: der Gegenwert stimmt.

Walter Wandeler

Loquerisne Latine?

Eigentlich durchstöberte ich ja nur die Nummern des Altsprachlichen Unterrichts, um eine Vorlage für eine griffige Einführung ins Passiv zu finden. Dabei blieb ich an einem Artikel von Peter Wülfling, seines Zeichens Universitätsprofessor a.D. aus Köln, hängen. Der emeritierte Dozent gab darin unter dem Titel "Loquerisne Latine?" seine Meinung zum gesprochenen Latein, zur Latinitas viva, zum Besten (AU 3/1999, S. 60ff). Als passionierter Lateinsprecher konnte ich natürlich nicht an diesem Artikel vorbeigehen und musste mit wachsendem Erstaunen feststellen, was für ein bornierter Querkopf ich bin, ohne es bisher gewusst zu haben.

Nach einer subtilen Einführung, in der Wülfling durchaus einige positive Aspekte des Lateinsprechens würdigt, fährt er mit grobem Geschütz auf und verbannt all jene, deren Freude es ist, lateinisch zu sprechen, ins Reich der Phantasten oder gar der übelsten Reaktionäre.

Wülfling stört sich schon am Begriff "Lebendiges Latein (Latinitas viva)". Für ihn kann das klassische Latein gar nicht leben, denn: "Was sie (die Anhänger des gesprochenen Lateins; Red.) sich zurechtmachen, ist aber mit einer lebendigen Sprache nicht zu vergleichen. Es fehlt ihm gerade das Unregelmässige, Wechselhafte, das unbekümmert Anarchische, womit eine Sprache des täglichen Gebrauchs von überallher Anleihen aufnimmt." Die Idee gar, Latein als supra-nationale Sprache zu verwenden, bezeichnet er als "Donquichotterien".

Er warnt aber ausdrücklich sogar den Kreis der Altphilologen davor, lateinisch zu sprechen, und zwar aus verschiedenen Gründen. So hat er allen Ernstes das Gefühl, wer heute Latein rede, könne sich der von Cicero geprägten offiziellen Rhetorik kaum entziehen. Das habe zur Folge, dass man auch wie Cicero, d.h. konservativ denke. Zudem enthebe einen der Gebrauch des Lateins der Pflicht, inhaltlich etwas Gescheites sagen zu müssen! Wülfling schliesst: "Was das 'Lebendige Latein' betrifft, so erhält es sein Leben in Wirklichkeit von den Persönlichkeiten derer, die es vertreten. Deren Vitalität, meist die für unangefochten konservative Menschen typische Vitalität, kann zuweilen über das Leblose des Konstrukts hinwegtäuschen."

Auch für den Schulgebrauch empfiehlt sich nach Wülfling das gesprochene Latein nicht, da es seiner Meinung nach vom Textinhalt ablenkt und grammatische Einzelphänomene zum Lernziel erklärt. Das führe dazu, dass man den AU nur noch als Zulieferdienst für andere Wissenschaften verstehe und ihn nicht aus sich selbst heraus legitimiere. "Die Vermittlung der Antike und die Kommunikation mit ihrem Erbe geschieht auf dem Weg über die inhaltliche Erschliessung originaler Texte."

Um es kurz zu sagen: Wer gesprochenes Latein pflegt oder gar propagiert, ist im besten Fall ein Träumer, im schlimmeren ein gefährlicher laudator temporis acti, ein Blocher unter den Altphilologen, oder gar ein Totengräber des AU schlechthin.

Fast getraut man sich angesichts solcher Vorwürfe nicht, eine Lanze für das übel beleumdete lebendige Latein zu brechen. Trotzdem soll hier der Versuch gewagt sein.

Dass die Situation rund um den Lateinunterricht an unseren Schulen dramatisch geworden ist, bedarf hier keiner weiteren Erläuterung. Aus einem unverzichtbaren Grundpfeiler des gymnasialen Curriculums ist an manchen Schulen eine Randerscheinung geworden, deren Überleben Jahr für Jahr vom Goodwill der Schüler abhängt. Wenn Wülfling an einer Stelle seiner Ausführungen moniert, für Arroganz lasse unsere Situation keinen Platz, so ist ihm uneingeschränkt beizupflichten. Gerade deshalb muss das Latein, muss der AU insgesamt, ein allenfalls noch vorhandenes elitäres Bewusstsein ein für allemal begraben und in die Niederungen des Alltags hinabsteigen. Das Prinzip, dass man die Menschen dort abholen muss, wo sie sind, muss sich auch der AU zu eigen machen. Und dabei genügt es eben längst nicht mehr, auf den zweifellos vorhandenen Wert der Antike als Grundlage für unsere abendländische Gesellschaft hinzuweisen. Damit lockt man keinen Hund hinter dem Ofen hervor und erst recht keinen pubertierenden Jugendlichen in den Lateinunterricht!

Gerade meine Unterstufenschüler - im Kanton Zürich existiert noch das Langgymnasium - fragen mich hin und wieder, ob wir nicht lateinisch sprechen könnten, das sei doch lässig! Ich muss ihnen jeweils sagen, dass ich dazu gerne bereit sei, dass wir das aber nicht zu oft machen dürften, weil der Lehrplan eben etwas ganz anderes vorsehe. "Schade!", ist dann meistens die Reaktion.

Hier frage ich nun Herrn Wülfling und die vielen, die auch so denken wie er: Warum soll das Latein die Chance, die ihm da geboten wird, nicht packen? Was nützt uns der hehre Verweis auf die Werte der Antike, wenn uns die Schüler davonlaufen? Wem sollen wir dann diese Werte noch überliefern? Lateinisch sprechen - halt nicht nur über den Senator Calvisius und den strengen Lehrer Theophilus, sondern auch über den Fussballmatch von letztem Samstag und das neuste PC-Spiel - kann lässig sein! Zuerst muss in den Schülern doch die Freude an dieser alten, aber wunderschönen Sprache geweckt werden, erst dann können wir sie behutsam dahin führen, wo wir sie haben möchten, nämlich zu der Eleganz eines Catull-Gedichtes oder der erhabenen Rhetorik eines Cicero.

Latein sprechende Menschen sind aus diesem Grund gerade keine in der Vergangenheit verharrende Individuen, sondern müssen über eine gehörige Portion Kreativität und Innovationsfreudigkeit verfügen. So ist etwa einer der bekanntesten Lateinsprecher Deutschlands, der Münchner Professor Wilfried Stroh, politisch ein Grüner und damit alles andere als konservativ. Sind nicht im Gegenteil oft die Gegner der Latinitas viva schlicht zu träg, um sich mit etwas zu beschäftigen, das sie nicht kennen und das eine besondere Anstrengung von ihnen verlangen würde?

Im Lehrerzimmer und in den Gängen ist es selbstverständlich, dass Französisch-, Englisch-, Spanisch- oder Italienischlehrkräfte untereinander in ihrer Sprache sprechen. Kein Mensch stört sich daran. Aber wahrscheinlich würden sich die Köpfe aller sofort und demonstrativ, ein nachsichtiges Lächeln zeigend, in Richtung jener Kollegen wenden, die es wagen würden, sich lateinisch zu unterhalten. Dabei könnte doch gerade dies ein Zeichen dafür sein, dass wir Altphilologen auch noch da sind. So wenig wie Arroganz angesagt ist, so wenig ist Duckmäusertum am Platz!

Nun will ich nicht einfach einem Plauschunterricht das Wort reden und dafür plädieren, dass sich auch das Latein den Gesetzen der Spassgesellschaft anzupassen habe. Aber wenn gelegentliches Lateinsprechen die Motivation der Schüler fördert, was ist dann dagegen einzuwenden? Vor allem aber ist das aktive Beherrschen des Lateins letztlich harte Knochenarbeit und schult die Kenntnis der Grammatik ungemein. Damit wäre das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Und - Hand aufs Herz - kann man sich der Antike und ihrer Welt nicht viel besser nähern, wenn man sich, auch aktiv, in ihre Sprache hineinfühlt und sie so gewissermassen verinnerlicht, auch wenn das auf dem Umweg über Fussball und Computerspiel geht?

Bliebe zum Schluss noch die Frage, wie das konkret vor sich gehen soll. Hier ist die Phantasie der Lehrperson gefragt. Von den täglichen paar Minuten colloquii Latini bis zu lateinischen Weihnachtsliedern oder gar einer Projektwoche Latine loqui iuvat lässt sich vieles vorstellen und verwirklichen. Nur müssen wir unsere Scheuklappen ablegen und den Stier bei den Hörnern packen. Loquerisne Latine? - Certissime!

Martin Meier-Schnüriger

Wettbewerb: Chronodisticha

Von den folgenden vier eingereichten Chronodisticha wird das zweite von E. Schaffner (Corvus ...) auf der ersten Seite des Direktoriums der Schweizerischen Benediktinerkongregation für das Jahr 2004 stehen.

I
RARI SVNT MONACHI FIDI, PIX VIVA. SINE ILLIS
CESSANT VRBANA. BALBVLA, GARRVLA ERVNT.
II
CORVVS ADEST SANCTO, PROSVNT MIRACVLA PLANA:
SERVATVR IVSTVS, PRAVVS OBIT SOLITA.
III
CONTEXANT ALII CITIVS CONTRARIA VERBA.
SIT MODVS! VT SIT PAX!! HACTENVS ISTA SATIS!!!

Erläuterungen zum Inhalt
I:Gewürdigt wird die Leistung der Mönche (rari: gemessen an der Gesamtbevölkerung; fidi: rein redundanter Zusatz), ohne welche die Kultur zu geschwätzigem Gestammel (Talk-Shows u.ä.) verkommen müsste. Solche Kulturleistung besteht z.B. in der Förderung sprachlicher Disziplin (Verfertigung von Chronodisticha!). - Warum aber pix? Es ist hier nicht an das äussere Erscheinungbild zu denken, vielmehr an den Umstand, dass mit Pech verpicht wird, was leck ist (Kultur z.B.).

II: Der Kenner mag hier eine bislang unbekannte, apokryphe Version der Meinrad-Vita als Quelle vermuten.

III: Heutiger Jargon würde da wohl von einem poetologischen Text sprechen: Aufschrei des Verfassers angesichts der schlafstörend-nervenzehrenden Arbeit an dieser widerborstig-exzentrischen Literaturgattung.

24. Oktober 2002
Dr. Emil Schaffner
AVRES CLAVIGERO TVNC EINSIDLA PRAEBVIT IPSA,
ABSENTISQVE PIIS VOX VALEAT MONACHIS.
Der Inhalt bezieht sich auf den Besuch des Papstes Johannes Pauls II. in Einsiedeln im Jahr 1984. 2004 werden es 20 Jahre her sein.

Für solche, die im kirchlichen Latein weniger bewandert sind: "Claviger", "Schlüsselträger" ist ein Epitheton für den Papst.

Martin Meier-Schnüriger
 

Weiterbildung

Weiterbildung - Formation continue, WBZ Kurs/Cours CPS 03.03.20, Basel/Bâle 15 - 18. 09. 2003

Anmeldung/Inscription : 14. 07. 2003
on line : www.wbz-cps.ch ou www.webpalette.ch ab/à partir de April/avril 2003

Latein plus ultra - Europäische Sprachgeschichte im Zeitalter des EURO

In dieser Veranstaltung steht für einmal die Sprache Latein im Zentrum. In den letzten Jahrzehnten hat die Wissenschaft vermehrt darauf aufmerksam gemacht, dass Mutter Latein nicht nur Töchter, sondern auch zahlreiche Adoptivkinder zählt. Zudem haben sich ihre 'familiären' Beziehungen als bedeutend vielfältiger herausgestellt als früher vermutet. Drei Spezialisten möchten Ihnen die Geschichte der europäischen Sprachlandschaft vielfältig illustrieren:

  • Prof. Dr. Andres Kristol (Neuchâtel) wird anhand von Textbeispielen den Übergang vom Spätlatein zu den romanischen Sprachen in neuem Licht präsentieren.
  • Prof. Dr. Rudolf Wachter (Basel/Fribourg) wird einen gleichzeitig weitgefassten und detaillierten Überblick über die europäische Sprachgeschichte mit Bezug auf die politisch-kulturellen Vorgänge geben.
  • Prof. Dr. Jürgen Blänsdorf (Mainz) wird Theorie und Praxis - und Nutzen - des Sprachvergleichs aus textlinguistischer Sicht anschaulich machen und dabei auch über die Grenzen der europäischen Sprachen blicken.

Alle drei Dozenten werden zudem als ausgewiesene Kenner der lateinischen Sprache zusammen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern (möglichst solchen aus allen Landesteilen!) gemeinsame Programmpunkte bestreiten und sind gerne bereit, auch auf vorgängig geäusserte Wünsche einzugehen (die bitte an den Koordinator, Rudolf.Wachter@unibas.ch, gerichtet werden mögen).

Le latin plus ultra - L'histoire des langues européennes à l'heure de l'EURO

Dans ce cours, le latin en tant que langue occupera le devant de la scène. Ces dernières décennies, la science a plus d'une fois mis en évidence que, comme langue mère, le latin ne compte pas que des filles, mais aussi de nombreux enfants adoptifs. Et ses relations familiales se sont avérées encore plus ramifiées qu'on ne le supposait auparavant. Trois spécialistes éclaireront l'histoire du paysage des langues en Europe :

  • A l'aide d'exemples tirés de textes, le professeur Andres Kristol (Université de Neuchâtel) présentera le passage du latin tardif aux langues romanes sous un jour nouveau.
  • Les processus politico-culturels qui sous-tendent l'histoire des langues en Europe seront mis en lumière par le professeur Rudolf Wachter (Universités de Bâle et de Fribourg).
  • Le professeur Jürgen Blänsdorf (Université de Mayence) élargira la perspective au-delà des frontières européennes et présentera la linguistique comparée sous l'angle de la linguistique textuelle, en considérant la théorie, la pratique et son utilité.

Tous trois experts confirmés de la langue latine, les intervenants espèrent pouvoir débattre les différents points de leur programme avec des participants de toutes les régions du pays. Ils sont, par ailleurs, prêts à prendre en compte des désirs que ceux-ci leur soumettraient par avance. Prière de les adresser par e-mail au coordinateur du cours : Rudolf.Wachter@unibas.ch

Rapport du cours CPS 02.03.01 : Gender Studies
Villars-sur-Glâne/Fribourg - 24 au 27 septembre 2002

L'étude des rapports "genrés", rapports entre les sexes ou à l'intérieur de ceux-ci (sans toutefois être sexuels !) s'inscrit dans la suite de la mouvance féministe des années 1970, une fois celle-ci dépouillée de ses aspects les plus revendicateurs. Désormais on ne fait plus une "Histoire des femmes", mais plutôt l'histoire des genres, tout en étant pleinement conscient que l'histoire sociale, ou des faits sociaux, d'une époque déterminée n'est que l'interprétation des données faite par des chercheurs et chercheuses d'une autre période tout aussi définie dans le temps. La Vérité n'est plus bonne à établir une fois pour toutes !

Le programme du cours établi par trois historiens, Mme Regula Frei-Stolba (Universités de Berne et Lausanne), Mme Anne Bielman (Université de Lausanne) et M. Thomas Spaeth (Université de Bâle) s'est révélé d'une rare cohérence, résultat d'une étroite collaboration entre eux dont attestent les trois dossiers de référence (articles ou extraits d'ouvrages récents, sources littéraires, numismatiques et épigraphiques) qui ont étayé leurs propos.

Spécialiste de l'époque hellénistique, Anne Bielman a évoqué des reines et des grandes dames d'Asie Mineure, dont les actions et l'évergétisme sont révélés par l'épigraphie. Ainsi tendent à émerger d'un côté des couples royaux dont les actions sont conjointes ou complémentaires, de l'autre des figures féminines poussées sur le devant de la scène de leur cité par les circonstances : besoin de maintenir la prépondérance d'une famille, manque d'héritiers mâles, soutien apporté à l'économie de la cité affaiblie par les guerres...

L'analyse des Annales de Tacite dans l'optique des études de genres a permis à Thomas Spaeth de mettre en évidence les sphères d'action dévolues aux hommes et aux femmes des classes supérieures sous le Principat. Traditionnellement les hommes romains sont des patres familias ou de fait, ou en puissance, les fils attendant de devenir eux-mêmes des patres familias après le décès de leur père. Avec l'établissement du Principat, si les patres familias demeurent des patres familias, le Prince, lui, tend à apparaître comme une sorte de "super pater avec, on s'en doute, quelques conséquences sur les esprits. Th. Spaeth s'est attaché ensuite à la figure d'Agrippine, telle que nous la montre et la fait agir Tacite, dont chacun connaît les sentiments à l'égard de la mère de Néron... Tacite ne recherche pas l'objectivité historique ; il met au contraire en œuvre des moyens d'écrivain, que l'analyse de texte suivie par Th. Spaeth éclaire : l'action d'Agrippine est vouée au néant.

Tout autre est la recherche conduite par Regula Frei-Stolba en ce qui concerne le personnage de Livie dont elle nous a fait découvrir la "carrière des honneurs", d'abord aux côtés d'Octave-Auguste, puis en tant que mère de l'empereur Tibère, jusqu'à sa divinisation sous Claude. Naviguant entre tradition et hellénisme oriental, Auguste a su assurer à sa femme une place à part dont l'épigraphie et la numismatique rendent bien compte. Avec le titre d'Augusta qui lui est conféré par testament à la mort d'Auguste, Livie inaugure, timidement encore, la titulature des impératrices romaines qui culminera avec celle de Julia Domna (fin IIe-début IIIe s. p.C.n.).

Exposés et exercices pratiques se sont succédé pendant trois jours, pour le plus grand plaisir des participants qui, pour la plupart, découvraient ce domaine avec intérêt. Nul doute que plus d'un sera heureux de s'en inspirer auprès de ses élèves, quand il s'agira de leur apporter, pour leur faire aimer et sentir l'Antiquité classique, autre chose que l'enseignement du b a ba auquel on tend de plus en plus à confiner les maîtres du secondaire II, avec des conséquences sensibles au niveau de l'enseignement universitaire, et préjudiciables à la recherche ...

Christine Haller

39. Ferientagung für Altphilologen in Marktoberdorf
vom 09. bis 13. September 2002

Die Tagung fand, wie gewohnt, in den Räumen des Staatlichen Gymnasiums und Internats in Marktoberdorf (Allgäu/Bayern) statt. Die Ausdrucksweise "wie gewohnt" ist nicht selbstverständlich. Dem Internat drohte die Schliessung. Nur durch die neue Ausrichtung "regional - national - international" (es verkehren jetzt auch Chinesen und Mexikaner) stellten sich wieder schwarze Zahlen ein, wie der Schulleiter OStD Dr. Lorenz Deuringer ausführte. Die Leitung der Weiterbildungsveranstaltung oblag zum ersten Mal Studiendirektor Dr. Rolf Kussl vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, wieder einem Vertreter unserer Fächer, einem Gräzisten. Zum ersten Mal stellte sich der Versammlung auch der neue Vorsitzende des Landesverbandes Bayern innerhalb des DAV, Studienrat Harald Kloiber. Viele junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch dies ist neu) fanden sich ein, um der Fortbildungsverpflichtung, die neu eingeführt wurde, nachzukommen, an diesem Ort, wo das Zusammenspiel zwischen Gymnasium und Universität gelebt wird, eine Zusammenarbeit, die von anderen Fachgruppen erst allmählich als dringend erkannt und von oben immer mehr verlangt wird.

Das Vortragsprogramm liegt bei. Es ist, wie immer (und dies ist gut so), nach Thematik diversifiziert (Latinistik, Gräzistik, Alte Geschichte, Archäologie) und auf den Unterricht zugeschnitten (dieses Mal mit einem Kapitel aus der antiken Mathematik und einem Sprachlehrfilm). Neu war, dass ein Fragebogen ausgefüllt werden musste, in dem z.B. zu beantworten war, welcher Vortrag am besten gefallen und welcher am wenigsten angesprochen habe. Doch fehlte die Frage, ob ein Teilnehmer sich mehr als Latinist oder mehr als Gräzist fühle. Es wurde auch ausgelotet, ob die Nachmittage mit weiteren Fortbildungsangeboten auszufüllen seien, ob Arbeitsgruppen oder Diskussionsrunden usw. erwünscht wären und welcher zeitliche Rahmen für die Fortbildung gewünscht werde.

Wie man sieht, waren alle Abende durch das Programm abgedeckt. Am Dienstag wurde ein Sprachlehrfilm, der etwa das erste Lateinjahr einfangen sollte, zur Diskussion gestellt. Dessen Leitmotiv "Armilla" sollte auch zeigen, dass ein internationales Arbeitsteam mitwirkte: neben dem federführenden Oberstudiendirektor Dr. W. Pfaffel dessen Kollegin Studienrätin Dr. Sabine Seifert aus Regensburg, Dr. Walter Mader aus Innsbruck (Akad. Gymnasium und Universität), Dr. Maria Ausserhofer aus Bozen (Institut für die deutsche Sprachgruppe) und Prof. Dr. Antonín Bartoněk aus Brno. Alle Genannten ausser W. Mader waren anwesend.

Am Mittwochabend beeindruckte die Mitteilung, dass Absolventen von Latein 1 (ab dem 5. Schuljahr) und Latein 2 (ab dem 7.) bei zentral vom Ministerium gestellten Tests im Fach Deutsch zu Beginn des 9. Schuljahres an einzelnen Schulen, wie bekannt wurde, um einen ganzen Punkt besser abschnitten als die übrigen Schülerinnen und Schüler. Dieses Ergebnis ist für unser Fach erfreulich. Weniger erfreulich ist aber die Tatsache, dass die Stundenzahl zurückgestutzt wird. Auch droht die Reduktion der Gymnasialzeit auf 8 Jahre und damit eine weitere Schwächung unserer Fächer.

Auch die Nachmittage waren meistens durch ein fakultatives Programm belegt. Am Mittwoch präsentierte Professor Dr. Friedrich Maier (Humboldt-Universität zu Berlin) sein neues lateinisches Lesebuch der Mittelstufe PEGASUS, mit dem Untertitel: Gestalten Europas (C.C. Buchner Nr. 5980; Reihe ANTIKE UND GEGENWART), unter dem Thema: Latein auf dem Prüfstand - Plädoyer für einen Wandel des Lektüreunterrichts in der Mittelstufe. Übergreifende Existenzfragen sollten ins Zentrum gerückt werden. Auch für diese Veranstaltung musste zum Voraus ein Fragebogen ausgefüllt, d.h. eine Rangfolge der zu behandelnden Themen aus der Sicht des Schülers erstellt werden. Am Donnerstag bestand die Möglichkeit, unter kundiger Führung die Fundamente einer erst kürzlich erschlossenen Villa rustica von Kohlhunden bei Marktoberdorf zu besichtigen. Die Funde, zu denen auch Keramik und ein Grab (vermutlich ein Kenotaph) gehören, werden in das beginnende 2. Jh. n. Chr. bis etwa in die Mitte des 3. Jhs. datiert.

Die Vorträge werden im September dieses Jahres im Band XXXVII der Reihe "Dialog": Schule und Wissenschaft - Klassische Sprachen und Literaturen (Bayerischer Schulbuch Verlag) gedruckt vorliegen.

Bernhard Löschhorn

39. Ferientagung für Altphilologen in Marktoberdorf
vom 09. bis 13. September 2002
Programm

Montag, 09. September 2002
Anreise

Dienstag, 10. September 2002
Vormittags:
Akademischer Direktor Dr. Peter Grau, Eichstätt:
"Hercules Bavarus - von Aventinus bis zum Friedensengel"
Professor Dr. Jan-Wilhelm Beck, Regensburg:
"Die Lüge im antiken Rom"
Abends:
Oberstudiendirektor Dr. Wilhelm Pfaffel, Regensburg:
"Latein als Film - oder: Die Sprache lebt! - Ein Bericht aus der Filmwerkstatt"

Mittwoch, 11. September 2002
Vormittags:
PD Dr. Ulrich Schmitzer, Konstanz:
"Video meliora proboque deteriora sequor - Ovid und seine Medea"
Professor Dr. Bernhard Zimmermann, Freiburg:
"Überlegungen zum Chor in der antiken Tragödie"
Abends:
Erörterung aktueller Fragen des altsprachlichen Unterrichts

Donnerstag, 12. September 2002
Vormittags:
Studiendirektor Günter Barthel, Würzburg:
"Animus meus praesagit nostram Hispaniam esse - Denkmäler der Römerzeit in Spanien von Ampurias bis Itálica"
Professor Dr. Kai Brodersen, Mannheim:
"Wie Caesar Britannien zur Insel machte"
Abends:
Geselliger Abend

Freitag, 13. September 2002
Vormittags:
Oberkonservator Dr. Lothar Bakker, Augsburg:
"Neue archäologische und epigraphische Zeugnisse zur raetischen Hauptstadt Aelia Augusta/Augsburg"
Oberstudienrat Dr. Wolfgang Freytag, München:
"Antike Mathematik im Unterricht"

 

Euroclassica

Academia Homerica et Academia Aestiva

Rectificatif concernant la Vème Academia Homerica, Chios 2003

Nous vous rappelons que la prochaine Academia Homerica se tiendra à Athènes et à Chios du 11au 20 juillet 2003, avec une arrivée à Athènes le 10 juillet (cf. Bulletin 60).

Contrairement à ce que nous avions annoncé alors, la finance d'inscription ne s'élève pas à € 500.-, mais à € 300.-

Date limite d'inscription : 30 avril 2003.

Renseignements et inscription : Christine Haller (cf. ci-dessous), ou s'adresser directement à la directrice de l'Academia Homerica:
Dr. Maria-Eleftheria Giatrakou
13, Nikiforou Ouranou
11471 ATHENS - Greece
Tel/Fax: +30-210-3642131

Dixième Academia Aestiva , Athènes 2003

Plusieurs gymnasiens hellénistes de Suisse participent chaque été, depuis 1994, au cours organisé par Euroclassica à l'intention d'élèves de toute l'Europe.

Cette année, avant la trève olympique de 2004, la dixième Academia Aestiva aura lieu à Athènes même (Hôtel Stanley) du 22 au 30 août 2003.

Les leçons et ateliers (en anglais) porteront sur l'héritage de la Grèce ancienne : la démocratie athénienne, le théâtre grec, la mythologie, l'art et la littérature.

Des visites, dûment préparées, complétant la matière abordée pendant les cours auront lieu sur plusieurs grands sites archéologiques, ainsi que dans d'importants musées.

Le prix, couvrant le logement, le petit-déjeuner et le repas du soir, les leçons et visites s'élève à € 500.-. Le billet d'avion n'est pas compris dans ce prix.

La direction de l'Academia Aestiva est assurée par le Prof. José Luis Navarro de Madrid. Les enseignants sont des professeurs d'université et de lycée de plusieurs pays européens.

Des renseignements complémentaires peuvent être obtenus auprès de :
Christine Haller, tél. 032 / 731. 16. 12 , e-mail : christine_haller@hotmail.com
à qui doivent être adressées également les candidatures comprenant :
nom, prénom, adresse exacte, No. de tél./fax et date de naissance, si possible une adresse e-mail.

Date limite d'inscription : 30 avril 2003.

Schülerberichte zur Academia aestiva

Den detaillierten Bericht und die Programmübersicht, die eine Schülerin und ein Schüler aus Einsiedeln über die Academia aestiva geliefert haben, veröffentlichen wir trotz ihrer Länge. Kolleginnen und Kollegen könnten den Bericht benützen, um bei ihren Schülerinnen und Schülern auf diese Kurse hinzuweisen und die Teilnahme zu empfehlen.

6.9.-15.9.2002, Anavyssos, (Attica), Griechenland

Freitag, 6.9.2002, Reise nach Athen
Am Flughafen in Athen angekommen, wurden wir sogleich von José Luis Navarro González, Kopf der EUROCLASSICA (FEDERATION EUROPEENNE DES ASSOCIATIONS DE PROFESSEURS DE LANGUES ET DE CIVILISATION CLASSIQUES), welche die ACADEMIA AESTIVA 2002 (EUROPEAN SUMMER SCHOOL IN CLASSICAL CIVILIZATION) organisiert und durchgeführt hat, Miguel Peñasco, Sekretär der EUROCLASSICA und John Thorley, Mitglied der EUROCLASSICA und Lehrer der ACADEMIA AESTIVA, in Empfang genommen. Wir lernten auch sogleich eine Grosszahl unserer Mitschülerinnen und Mitschüler der vor uns liegenden zehn Tage kennen. Als die letzten Teilnehmer am Flughafen eingetroffen waren, fuhren wir mit einem Bus nach Anavyssos, ein ungefähr eine halbe Autostunde ausserhalb Athens liegendes Dorf, wo wir zu zweit in Zimmer eingeteilt wurden. Wir lernten auch den zweiten Lehrer der ACADEMIA AESTIVA, Anton van Hoof, dessen Frau, die ebenfalls Altphilologin ist, und deren 7 Monate alte Tochter Anna kennen und knüpften erste Kontakte mit den anderen Teilnehmern, die von überall in Europa angereist waren (Belgien, Kroatien, Dänemark, Italien, Russland, San Marino, Spanien, Schweden und natürlich der Schweiz).

Samstag, 7.9.2002, Lektionen
Morgen: Vortrag über griechische Geographie und griechische Geschichte - ausführliche Einführung in die griechische Demokratie. Anschliessend Diskussionen in Zweiergruppen, die aus Teilnehmern aus verschiedenen Ländern gebildet werden mussten, über pro und kontra der antiken und gegenwärtigen Demokratie. Vortrag über Marathon.
Nachmittag: Zur freien Verfügung, zum Beispiel zum Besuchen des direkt neben dem Hotel liegenden Strandes.
Abend: Besuch von zwei griechischen Damen, welche uns mit Informationen über das heutige Griechenland eingedeckt und mit uns die griechische Nationalhymne gesungen haben. Zusätzlich haben sie uns eine Einführung in die neugriechische Dichtung gegeben. Auch eine Kostprobe von griechischem süssem Gebäck haben sie uns mitgebracht.

Sonntag, 8.9.2002, Lektionen
Morgen: Vortrag über Homer und die Entstehung der Ilias mit Einbezug der tatsächlichen historischen Geschehnisse der Eroberung Trojas. Vortrag über die Sagen Herakles' und deren Abbildungen auf griechischen Vasen, dabei Einführung in die historische Situierung griechischer Vasen ("black-figure-" und "red-figure-vases"). Workshop: Dichten eines Mythos über die Entstehung der EUROCLASSICA in Gruppen, der dann am darauf folgenden Tag vorgespielt werden sollte.
Nachmittag: Zur freien Verfügung, wurde von den meisten zur Fertigstellung und zum Üben des Mythos genutzt.
Abend: Vortrag über Mykene. Einteilung der Schülerinnen und Schüler in drei Gruppen für die Theaterworkshops: Kurzfassung der Oresteia (Theater) und ein männlicher und ein weiblicher Chor.

Montag, 9.9.2002, Lektionen
Morgen: Gemeinsames Übersetzen von 80% der von Sappho erhaltenen Poesie. Vorspielen der Mythen. Vortrag über die Entstehung des Alphabets.
Nachmittag: Zur freien Verfügung
Abend: Theaterworkshops.

Dienstag, 10.9.2002, Lektionen
Morgen: Vortrag über die Rolle der Frau im Altertum. Gespielte Debatte zwischen John Thorley und Anton van Hooff darüber, ob Museumsstücke in das Land zurückgebracht werden sollen, von dem sie stammen.
Nachmittag: Zur freien Verfügung
Abend: Theaterworkshops.

Mittwoch, 11.9.2002, Athen
Morgen: Besichtigung der Akropolis und der Agora mit der Stoa und dem Naós Hephaístou und der dazugehörigen Museen.
Nachmittag: Freie Zeit zur selbständigen Besichtigung Athens.
Abend: Theateraufführung einer griechischen Mädchenschule. Theaterworkshops.

Donnerstag, 12.9.2002, Peloponnes
Morgen: Besichtigung des korinthischen Kanals, Nimeas ("das kleine Olympia") und dessen Rennbahn, auf der wir Schüler ein Rennen liefen, welches Marco Honegger für die Schweiz gewonnen hat, und der Stadt Mykene (die Stadt des Agamemnon).
Nachmittag: Besichtigung der Hafenstadt Naphlio und des gut erhaltenen Theaters in Epidauros.
Abend: Theaterworkshops.

Freitag, 13.9.2002, Delphi
Da Delphi relativ weit von Athen entfernt ist, setzten wir den ganzen Tag für den Trip nach Delphi ein.
Abend: Theaterworkshops.

Samstag, 14.9.2002, Athen
Morgen: Besuch des Nationalmuseums in Athen
Nachmittag: Nochmals freie Zeit zur weiteren Besichtigung Athens und zum Kaufen von Souvenirs.
Abend: Besuch des Kap Sounion, auf dem der Poseidontempel steht. Abschlussprüfung (welche daraus bestand, sich zu überlegen, welchen Ort in Griechenland man besuchen würde, wenn man nur einen Tag Zeit hätte, und die Wahl auf knapp zwei Seiten zu begründen.). Aufführen der drei einstudierten Theater. Abschlussreden von José Luis Navarro González, John Thorley und Anton van Hooff. Übergabe der Zertifikate an die Schülerinnen und Schüler durch José Luis Navarro González.

Sonntag, 15.9.2002, Heimreise
Mit dem Bus ging es an den Flughafen und dort trennten sich die Wege der Studentinnen und Studenten der verschiedenen Länder wieder. Wir Schweizer bestiegen das Flugzeug zurück nach Zürich.

Christina Meyer

Academia aestiva 6.9.-15.9.2002

Das Schuljahr hatte kaum begonnen und schon sollten wir wieder Ferien haben? Eine merkwürdige Vorstellung! Aber tatsächlich, wir waren für sechs Schultage vom Unterricht an der Stiftsschule dispensiert. Trotzdem ist die Bezeichnung Ferien für diese Zeit nicht ganz richtig. Denn wir lernten während der academia aestiva mindestens gleichviel wie unsere Klassenkameraden daheim und durften eine einmalige Woche erleben. Sie war Studienreise und Begegnungsstätte zugleich und wird eine wertvolle und schöne Erinnerung bleiben.

Vom ersten Augenblick an, schon nach der Ankunft am Athener Flughafen, stand fest, dass das ganze Projekt nicht irgendein unseriöser, nur auf finanziellen Gewinn ausgerichteter Anlass, sondern eine gut organisierte Angelegenheit war. Wir wurden empfangen und ohne Komplikationen zur Unterkunft in Anavyssos, eine Autostunde südlich von Athen, transportiert. Im Laufe der Zeit zeigte sich neben der Planung auch noch ein weiterer, sehr positiver Aspekt: die freundliche und menschliche Atmosphäre, die in dieser Gruppe herrschte. Einen wichtigen Beitrag dazu leisteten die leitenden Teilnehmer (Ich benütze bewusst diesen Ausdruck, um die nicht hierarchischen Strukturen zwischen Lehrern und Schülern zu beschreiben. Alle sagten "Du" zueinander.1). Sie waren alle begeisterte Altphilologen von der Euroclassica (europäische Vereinigung der Altphilologen), machten ihre Arbeit mit Freude und ohne grosses Entgelt. Die klassische Bildung lag ihnen gemeinsam am Herzen, auch wenn sie sonst ganz verschiedene Meinungen und Persönlichkeiten besassen.

Der oberste Chef war José Luis Navarro Gonzalez, ein spanischer Professor aus Madrid. Hinter diesem Namen stehen ein Gesicht, das stark an Josef Stalin erinnert, und eine Person, die im Gegensatz zum russischen Diktator verstanden hat, was humanitas ist, die intelligent und herzensgut ist, die Gefühle zeigen, ja sogar weinen kann. Zusammen mit seinem Landsmann Professor Miguel Peñasco, der als Sekretär agierte, obwohl er kein Wort Englisch spricht, hatte José die Zügel in der Hand. Mit der ganzen Familie war Professor Anton van Hooff aus den Niederlanden angereist. Seine litauische Frau, ebenfalls Lateinerin und Gräzistin, und das Baby Anna bildeten einen wichtigen Teil der Gemeinschaft. Er selber ist sehr engagiert für eine europäische, demokratische Gesamtkultur mit antiker Basis. Er ist ein von Nietzsche begeisterter Atheist, glaubt nicht an ein Fortleben nach dem Tod, sieht als überzeugter Epikuräer den (intellektuellen) Genuss als höchsten Wert. Das perfekteste Englisch entfloh dem Gehege von Johns Zähnen. Professor John Thorley aus Schottland verband den typischen Briten mit dem typischen Professor. Bleich, Brille, Bart, belesen, britisch: so könnte man ihn zusammenfassend charakterisieren.

Die Studienwoche hatte eigentlich zwei Teile: Die ersten vier Tage hatten den gleichen Ablauf: Aufstehen, reichliches Frühstück, drei Stunden Vorlesungen2 von Anton und John, lange (Nach-)Mittagspause, um an den Strand zu gehen, am Abend wiederum ein bis zwei Lektionen Unterricht, Nachtessen und danach Theaterworkshops. Die behandelten äusserst interessanten Themen der Vorlesungen reichten von Demokratie, Marathon, über Sappho und die Frauenrolle im Altertum, bis zur Entstehung der Schrift. Bei den Theaterworkshops handelte es sich um drei Gruppen, die eine Episode aus der antiken Tragödie für die Aufführung am Schlussabend einstudierten. Neben einer Kurzfassung von Aischylos' Orestie, gab es noch zwei Chöre, einen ausschliesslich weiblichen und einen männlichen. Das Üben im Persian choir der Männer machte grossen Spass, obwohl man vor der ersten Probe noch gemischte Gefühle hatte und dem Ganzen eher kritisch gegenüberstand. Alles das fand im selben Haus statt. Es war ein Hotel, in dem zukünftige Kellner ausgebildet wurden. Man wohnte in Doppelzimmern. Von den Zimmern war es dreissig Meter bis zum Strand, also optimal für Wasserratten. Wir waren die letzten Gäste in diesem Hotel. Nach unserer Abreise wurde es abgerissen. Den abbruchreifen Zustand bekamen wir einerseits dadurch zu spüren, dass die Klimaanlage, einer der beiden Lifte usw. defekt waren, und andererseits durch eine Geschichte mit der Hauskatze: Als diese eines Tages in einer Ecke ihr Geschäftchen machte, wurde dies zunächst nicht weggewischt, denn das Haus würde ja sowieso abgerissen.

Im zweiten Teil der Woche standen Exkursionen auf dem Programm. Dank der hervorragenden Kenntnisse von Land, Leuten und Sprache ermöglichten unsere spanischen Freunde uns die Besichtigung der wichtigsten Monumente. José und Miguel organisierten den Car, die Eintritte, einfach alles, was nötig war. An einem Tag sahen wir die Akropolis, das dortige Museum, die Agora mit der Stoa und dem Hephaisteion. Der Nachmittag stand für das Kennenlernen der griechischen Hauptstadt und Metropole Athen zur Verfügung. Der Peloponnestag beinhaltete die Besichtigung folgender Stätten: der korinthische Kanal, Nemea (das kleine Olympia) mit der Rennbahn, auf welcher schon einmal eine Goldmedaille für die Schweiz gewonnen wurde, Mykene3 (die Stadt des legendären Agamemnon), die Hafenstadt Navplio4 und das gut erhaltene Theater in Epidauros. Da das Orakel von Delphi ziemlich weit entfernt war vom Hotel, setzten wir einen ganzen Tag für die Fahrt und die Besichtigung der Ruinen und des Museums ein. Der letzte Tag war wiederum in Athen situiert. Das prächtige Nationalmuseum gab uns noch einmal Anlass zum Staunen. Einige Stunden waren für das Kaufen von Souvenirs reserviert. Am Abend besuchten wir einen ganz imposanten Ort: den Poseideontempel auf Kap Sunion. Ein Platz, wo Kultur und Natur zusammenkommen, wo sich Luft, Erde und Wasser berühren. Das Licht der Sonne, die Kraft des Windes, das Blau des Meeres und das goldgelbe Gestein machen diesen Tempel zum heiligen Bezirk und unseren Besuch zu einem tiefen und bleibenden Eindruck.

Die Exkursionen waren sehr lehrreich. Mit unseren vier leitenden Teilnehmern hatten wir immer vier kompetente Führer dabei, die auf Fragen Antwort gaben und immer wieder Erklärungen zu einzelnen Dingen abgaben. Etwas mühsam empfand ich das Busfahren, vier Tage hintereinander im Bus waren zu viel. Auch die Zahl der besichtigten Museen war an der oberen Grenze.

Durch unseren Aufenthalt in Griechenland gewannen wir auch einen Eindruck von diesem Land. Die karge Landschaft und die zerrissene Topographie machen es auf eine eigene Art bezaubernd. Das Meer und die Küste spielen eine wichtige Rolle.5 Das Land besitzt ein kulturelles Erbe, das es nicht für sich alleine hat, sondern die Geschichte Griechenlands ist auch die Geschichte der ganzen (westlichen) Welt. Darauf dürfen sie stolz sein. Doch natürlich versuchen sie damit auch Profit zu schlagen, der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. In der Nähe unseres Hotels gab es nur einen Laden, dieser hatte Touristen abreissende Preise, z.B. 0.50 Euro für eine Karte. Die Bevölkerung ist sehr offen und freundlich, oft wird man auf der Strasse angesprochen, Verkäuferinnen suchen das Gespräch. Es ist manchmal schwierig abzuschätzen, wie weit man darauf eingehen soll. Wir Schweizer stehen eher skeptisch dazu, schon Kleinkindern wird gesagt, dass man nicht mit Fremden sprechen soll. Wie weit ist unsere Zurückhaltung gut und schützend und wann fühlt sich der Grieche beleidigt?

Auch eine sehr wertvolle Erfahrung während der academia aestiva aber war der Kontakt mit anderen Menschen. Es war interessant Personen verschiedenster Nationalitäten kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen, ihre Art zu beobachten, zu versuchen das typische ihres Temperaments herauszufinden, Klischees bestätigt und widerlegt zu sehen. Alles Menschen mit eigenen Ideen und einem eigenen Charakter. Bewundernswert war auch die polyglotte Zusammensetzung unserer Truppe. Man hörte fremde Sprachen, entdeckte unter ihnen Gemeinsamkeiten, oder verstand auch überhaupt gar nichts. Für die Zukunft, denke ich, wird es aber eine gemeinsame Grundsprache geben, die alle verstehen, wie es früher das Lateinische oder das Griechische war, und, da es schon in weiten Teilen verwirklicht ist, wird es wohl Englisch sein. Wäre es nicht sinnvoller, auch in der Schweiz grossräumiger zu denken und Englisch als erste Fremdsprache einzuführen? Des weiteren hat mir diese Woche auch die Idee der EU etwas näher gebracht, sodass ich sie heute besser verstehen kann und ihr gegenüber grosszügiger und positiver eingestellt bin.

Doch auch der Kontakt mit meinen Einsiedler Schulkollegen war sehr wertvoll. Unsere Freundschaft konnte vertieft werden, man sah einander von einer anderen Seite als in der Schule. Man hatte mehr Zeit als im gestressten Stiftsalltag, um miteinander zu reden.

Für diese Woche bin ich zutiefst dankbar. Es war ein tolles, schönes Erlebnis und wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Danken möchte ich den Organisatoren José, Miguel, John und Anton, meinen Lehrern Pater Alois Kurmann und Herrn Iwan Durrer, die mich darauf aufmerksam machten und sich für die Absenzen einsetzten, meinen Eltern für ihre finanzielle Unterstützung, meinen Schulkollegen und Reisebegleitern Christina, Janina und Benjamin, die viel zum Gelingen dieser Woche beigetragen haben, und allen anderen Teilnehmern der academia aestiva 2002.

Marco Honegger

Sophocle : 2500 ans de sa naissance

Célébration organisée à Athènes par Euroclassica et l'Academia Homerica

Un certain nombre des représentants nationaux d'Euroclassica conviés à célébrer à Athènes l'envoi de l'année Sophocle a pu répondre à l'invitation et s'est retrouvé les 18 et 19 janvier 2003 au pied de l'Acropole pour célébrer l'événement.

La cérémonie proprement dite était fixée le dimanche matin à 11h au Musée de la guerre ! Souvenir, sans doute du temps où Sophocle qui n'a jamais rechigné devant les charges pouvant incomber à un citoyen de mérite avait été nommé stratège. L'auditoire réservé pour la cérémonie a été pris d'assaut. Des gens de tous âges qui venaient écouter une conférence sur Sophocle et célébrer le grand homme, le gratin politique : le ministre de l'Intérieur en personne, une ancienne ministre de la culture, les maires de différentes communes ... Seule l'Église manquait à l'appel, ce qui est étonnant, mais il est vrai qu'à cette heure-là, la messe n'est pas terminée.

Après les salutations d'usage, la représentante grecque, directrice de l'Academia Homerica et vice-présidente, pour un temps encore, d'Euroclassica, Mme Maria-Eleftheria Giatrakou a prononcé une longue conférence retraçant la carrière du poète, évaluant son œuvre dans le cadre de la culture européenne. Des élèves musiciens, choristes et instrumentistes de l'Helleniki Paideia ont exécuté des chœurs d'Antigone et d'Électre, deux jeunes filles ont récité une scène entre Antigone et Ismène. La tradition grecque n'étant pas qu'antique, des morceaux de musique folklorique et des chants patriotiques ont encadré le tout, avec netteté, précision, compétence et conviction. Puis des " honneurs " sous forme de médaille commémorative ont été décernés à divers degrés et à diverses personnalités ; chacun dans la salle a reçu également un papier-souvenir de l'événement avec l'effigie de Sophocle et une citation d'Antigone invitant à partager l'amour plutôt que la haine.

Une fois la partie officielle terminée, le reste de la journée a été consacré à l'amitié et à la légendaire hospitalité grecque dispensée dans la superbe villa d'Eubée de l'armateur Pateras, défunt patronus de l'Academia Homerica.

Janvier 2003
Christine Haller
 

Rezensionen

Karl-Wilhelm Weeber: Alltag im Alten Rom. Das Landleben. Ein Lexikon; Artemis & Winkler, Düsseldorf und Zürich 2000. 376 Seiten, 16 Seiten Bildteil. Fr. 62.-

Obwohl zur Römerzeit der überwiegende Teil der Bevölkerung auf dem Land lebte, berichten die Quellen wenig über die Lebensform der Bauern und vom zumeist beschwerlichen Alltag der kleinen Leute und Sklaven. Und wenn von der vita rustica die Rede ist, dann gewöhnlich aus der Perspektive der wohlhabenden Gutsbesitzer oder romantischen Stadtflüchtlinge, die im Leben auf dem Land ein in der Wirklichkeit nicht gegebenes Ideal suchten, oder der Dichter, vornehmlich Elegiker, die in der naturgemässen Lebensweise auf dem Land eine Gegenwelt zur Zivilisation der Grossstadt postulierten. Die wenigen Zeugnisse, in denen eben diese kleinen Leute ohne Zugang zur Bildung zu Wort kommen, sind Inschriften, genauer Grabinschriften, die uns die harten Existenzbedingungen der meisten dieser Landbewohner erahnen lassen. Um so verdienstvoller ist es bei dieser Quellenlage, dass Weeber seinem so erfolgreichen Lexikon Alltag im Alten Rom einen zweiten Band mit dem Thema Das Landleben hat folgen lassen. Damit hat er eine weit schwierigere Aufgabe auf sich genommen, fesselt doch normalerweise das nicht gerade spektäkuläre Landleben deutlich weniger als das facettenreiche Leben in der Stadt, in der immer etwas los ist - was übrigens schon Horaz thematisiert hat (Epistel 1,14).

Es sei vorweggenommen: Das Landleben knüpft nahtlos an den ersten Band an, ja er ist noch leserfreundlicher geworden (so sind etwa die behandelten Stichwörter im Register neu fett gedruckt). Wie im ersten Band versteht es Weeber, relativ nüchterne Sachverhalte in leicht verständlicher Sprache farbig und prägnant, mitunter sogar packend darzustellen und durch passend gewählte Quellentexte (in deutscher Übersetzung, ab und zu - bei kürzeren Texten - mit lateinischem Original) an den Seitenrändern aufzulockern. So begibt er sich beispielsweise in Agrarwerkzeuge auf Spurensuche im Mordfall Remus, und der erstaunte Leser erfährt, dass zwar die Tatwaffe, aber nicht der Täter gesichert ist (S. 12). Oder er liefert Anekdoten: Aus "Cauneas!", womit ein Händler in Brundisium lauthals seine Feigen aus Kaunos anpreist, wird "Cave, ne eas!", die von Crassus missachtete Warnung, in den Osten abzureisen, um gegen die Parther zu ziehen (S. 297). Auch fehlt es nicht an interessanten Hinweisen zur Herkunft von Wörtern: so steht bei iumenta nicht nur die richtige Etymologie iugum, sondern auch die falsche Columellas: iuvare (S. 15), oder unter Bauernsprache erfährt der Leser beiläufig, dass filius von felare saugen stammt, also Säugling heisst, wobei der Autor augenzwinkernd beifügt, dass der Begriff im verwandten Umbrischen sogar "junges Schwein" bedeute (S. 30).

So sind 65 anregende Artikel wie Arbeitsgefängnis, Bienenzucht, Garten, Holzwirtschaft, Naturkatastrophe, Picknick, Schlechtwetterarbeit, Viehdiebstahl entstanden, sechs davon unter Nachträge zu Alltag im Alten Rom. Das Stadtleben (ab S. 289), darunter erfreulicherweise das beim Erscheinen des ersten Bandes vermisste Stichwort Umweltverhalten. Überhaupt wird Band 1 vorausgesetzt, da oft auf ihn verwiesen wird, z.B. bei Mähmaschine (S. 12). Dass dieser Begriff im ersten und nicht im dafür passenderen zweiten Band steht, ist Zeugnis dafür, dass der vorliegende Band nicht auf ein ursprüngliches Konzept zurück zu führen ist, sondern wohl einfach auf die Tatsache, dass der Erfolg des Alltag im Alten Rom nach einer Fortsetzung verlangte. Der Autor ist nicht unberührt von den Strömungen der Gender Studies: so ist neben Gutsverwalter auch die Gutsverwalterin zu finden. Sehr nützlich sind die sechs im Anhang (ab S. 327) zweisprachig abgedruckten Quellentexte zum Alltagsleben auf dem Land, die üblicherweise in Privatbibliotheken selten greifbar sind (vielleicht von Ps.-Vergils Moretum abgesehen). Tadellos und reichhaltig ist das Bildmaterial.

Das Lexikon ist keineswegs nur Fachleuten zu empfehlen, es erschliesst auch Laien ohne Lateinkenntnisse ein wichtiges Stück antiker Kultur. Ein Lexikon? Viel mehr als das: ein Lesebuch!

Beno Meier

Ursula Wolf: Aristoteles' "Nikomachische Ethik" (Reihe Werkinterpretationen).Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2002, 281 S. Fr. 55.30. ISBN 3-534-14142-3

Im vorliegenden Buch hat sich die Autorin vorgenommen, den Leser der Nikomachischen Ethik (NE) mit einem Kommentar zu begleiten. Das Buch wird eingeführt mit Bemerkungen zum Problemhintergrund, zur Art und Einordnung des Texts und zur inhaltlichen Gliederung der NE.

Der laufende Kommentar orientiert sich mit zwei inhaltlich begründeten Ausnahmen an der Reihenfolge der zehn Bücher, in welche die NE nach dem uns überlieferten Text eingeteilt ist. Er ist ebenfalls in zehn Kapitel eingeteilt, die sich aus sachlichen Gründen freilich oft nicht an die antiken Buchgrenzen halten. Der Kommentar ist luzide geschrieben und zeichnet die aristotelische Argumentation nach. Die Autorin führt den Leser auch in das kritische Gespräch mit Aristoteles ein, indem sie Einwände gegen einzelne Argumente und Positionen vorbringt und beurteilt. Den bleibenden Wert von Aristoteles' Ethik sieht sie in der Entwicklung einer immer noch aktuellen ethischen Grundbegrifflichkeit einerseits und andererseits darin, dass sie als Modell einer Ethik im Sinne einer Lehre vom guten Leben dienen kann, selbst wenn viele ihrer konkreten Inhalte und Empfehlungen heute keinen Anklang mehr finden. Denn ebenso wie Aristoteles stehen auch wir vor der Aufgabe, "unsere eigenen Einstellungen zum guten Leben zu artikulieren und zu systematisieren. Dabei müssen wir sehen, ob Aristoteles uns hier ein Modell liefert, wie man zu diesem Zweck vorgehen kann." (S. 18).

In Anschluss an den Kommentar findet sich eine Konkordanz der Übersetzungsäquivalente. Sie führt zu den im Kommentar verwendeten griechischen Ausdrücken die deutschen Übersetzungen von Gigon, Rolfes und Dirlmeier, die französische Übersetzung von Gauthier/Jolif und die englische von Barnes an. Die Konkordanz ist für den Leser, der nicht Gräzist ist, u.a. auch deshalb wichtig, weil die Autorin diese Ausdrücke im Kommentar durchgehend griechisch (in lateinischer Umschrift) verwendet und sie nur beim ersten Gebrauch in Klammer übersetzt. Das Literaturverzeichnis ist sachlich gegliedert: Es enthält z.B. die Literatur zu den einzelnen Kapiteln des Kommentars in eigenen Abschnitten. Neben deutscher Fachliteratur ist vor allem die angelsächsische Forschung vertreten. Zuletzt erschliesst ein allgemeines Register den Kommentar.

Die Lehrperson, die sich im Blick auf den Unterricht in Aristoteles' NE einarbeiten will, hat im vorliegenden Kommentar einen klaren, zuverlässigen und kritischen Begleiter zur Lektüre.

Hansueli Flückiger

Phlegon von Tralleis, Das Buch der Wunder, eingeleitet, herausgegeben und übersetzt von Kai Brodersen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002

Kai Brodersen legt mit seiner sehr ansprechend geschriebenen Ausgabe erstmals eine deutsche Gesamtübersetzung von Phlegons Werk perì thaumasíon vor, das nur in einer einzigen Abschrift aus dem 9. Jahrhundert überliefert ist (Cod. Palatinus Graecus 398). Der Autor, ein Freigelassener des Kaisers Hadrian, schrieb neben phantastischen Geschichten u.a. auch über die Olympiaden von den Anfängen bis zu seiner Zeit. Neben dem bloß Namenlisten bietenden Bericht über langlebige Menschen (makróbioi), der gelegentlich als Teil der thaumásia betrachtet wurde, sind diese das einzige größtenteils erhaltene Werk Phlegons, das, obschon es heute nicht vielen bekannt sein dürfte, nicht nur wegen der großen Nachwirkung in der neuzeitlichen Literatur Beachtung verdient.

In der Einleitung gibt Brodersen interessante Informationen über die Überlieferung und die Bedeutung von Phlegons Werk, das noch im 9. Jahrhundert vorhanden war und als Quelle benutzt wurde.

Der zweisprachige Text enthält 35 sensationelle Geschichten unterschiedlichen Umfangs über Geister (1-3), Geschlechtswechsel und Androgyne (4-10), Riesen (11-19), Monstergeburten (20-25), schwangere Männer (26-27), Mehrlingsgeburten und große Kinderzahl (28-31), wundersam schnelles Erwachsenwerden (32-33) und Wunderwesen (34-35). Dabei kontrastieren auffällig Geschichten über mythologische Figuren mit genau datierten Erzählungen, die teilweise bis in Phlegons Gegenwart reichen.

Im zweiten Teil präsentiert Brodersen fünf literarische Zeugnisse für die Wirkungsgeschichte der ersten Erzählung Phlegons über eine Frau, die ins Leben zurückkehrt, vom 16. bis zum 19. Jahrhundert: 1. Die Einführung und den Nachsatz zu einer freien Übersetzung von Pierre LeLoyer (1586), 2. Die Nacherzählung des Johannes Praetorius (1666), die auf LeLoyer beruht, in originaler Orthographie, 3. Goethes 28 Strophen umfassendes Gedicht "Die Braut von Korinth", 4. Washington Irvings "Abenteuer des deutschen Studenten" (1824), das die Geschehnisse nach Paris zur Zeit der Französischen Revolution verlegt, und 5. Théophile Gautiers "liebende Tote" (1836), eine recht umfangreiche Geschichte, die wie die vorige das Motiv von Phlegons Erzählung modernisiert; sie handelt von einem alten Priester, der von seinen Begegnungen mit einer Untoten in seinen früheren Lebensjahren erzählt.

Im Anhang folgen Belege zu Einleitung und Wirkungsgeschichte, verschiedene Lesarten des griechischen Textes sowie weiterführende Literatur.

Brodersens Werk, das als Leseausgabe konzipiert ist, verzichtet weitgehend auf Anmerkungen, da ein historischer Kommentar demnächst von einer Forschergruppe am University College London vorgelegt werden soll; hingegen sind nützliche Hinweise wie Jahreszahlen, die Phlegon nach griechischen Archonten und römischen Konsuln datiert, sowie moderne Maßangaben und Belegstellen zitierter Autoren in den Text eingefügt.

Iwan Durrer

Duden 11 Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. 2., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Mannheim 2002. 3-411-04112-9 Preis 36.30 SFr.
Duden 12 Zitate und Aussprüche. Herkunft und aktueller Gebrauch. 2., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Mannheim 2002. 3-411-04122-6 Preis 36.30 SFr.

Die beiden hier zu besprechenden Nachschlagewerke müssen wohl bezüglich ihres Hintergrundes nicht näher eingeführt werden. Der Duden als Standardwerk wird seinen Platz in den meisten Fach- und Privatbibliotheken längst gefunden haben. Für eine grundsätzliche Kritik der Sprachnormierung durch die Dudenredaktion sei verwiesen auf den Rezensionsbeitrag von Stefan Stirnemann im Bulletin September 2002.

Die Bände 11 und 12 der zwölfbändigen Dudenreihe betreffen uns Altphilologen insofern, dass gerade im Bereich von Wendungen und Zitaten eine Fülle an antikem Material, dem wir in unserer Lektüre täglich begegnen, Eingang gefunden hat in die deutsche Sprache. Ein nicht ganz ernst zu nehmender statistischer Versuch hat im Duden Band 12 folgende Zahlen ergeben: Auf zweimal 25 zufällig aufgeschlagene Doppelseiten kamen ganze vier und im zweiten Versuch ganze fünf Seiten ohne irgend einen Hinweis auf die Antike aus, sei er nun sprachlicher oder inhaltlicher Art! Etwas anders liegt Sache beim Duden Band 11, wo die antiken Verweise sehr viel dünner gesät sind. Gleichzeitig ist natürlich zu sagen, dass die beiden Bände nicht zum Ziel haben, das Weiterleben des antiken Erbes in der modernen deutschen Sprache zu dokumentieren, sondern umgekehrt eine Momentaufnahme der heutigen Sprache zu bieten. Dabei ist es aber der Wille der Redaktion, auch auf Ursprung, ursprünglichen Zusammenhang und späteren und heutigen Gebrauch zu verweisen und so auch Entwicklungslinien aufzuzeigen. Die Kontextangaben zu vielen Stichwörtern zeugen von diesem Willen.

Damit können wir aber gleich auch sagen, dass die Anschaffung dieser Bände sowohl für Lehrpersonen wie auch für Schüler nicht im Hinblick auf die Alten Sprachen, sondern vielmehr mit dem Ziel, unsere deutsche Sprache in ihrem Reichtum und ihrer Farbigkeit richtig zu gebrauchen erfolgen muss. Wenn wir über ein Instrument verfügen wollen, das unseren Bedürfnissen gerecht wird, müssen wir auf einschlägigere Werke zurückgreifen.

Doch nun zu den Bänden im Einzelnen!
Nachschlagewerk und Einladung für Entdeckungen in einem "der interessantesten Bereiche der deutschen Sprache": Dies sind die erklärten Ziele der Dudenredaktion für Band 11 Redewendungen. Im Einleitungsteil erfährt der Benutzer dann, was unter "Redewendung" zu verstehen ist und welches die verwandten Phänomene sind. Die Auswahlkriterien für die Einträge (verstärkte Aufnahme österreichischer und schweizerischer Wendungen) und ausgewählte Literaturhinweise beschliessen den ersten Teil, dem die unentbehrlichen "Hinweise zur Benutzung" folgen.

Im Einleitungsteil (Hinweise; 2.6 Beispiele und Belege) wird deutlich offengelegt, dass die aufgeführten Belege nicht sprachhistorische Erstbelege sind. Auch bei Redewendungen, die auf antikem Hintergrund basieren, findet man oft nur Hinweise wie "Ovid remedia amoris" (Stichwort 'Anfang'), "von Cicero und Horaz erzählt" ('Damokles') ohne genaue Stellenangabe. Dasselbe gilt aber auch für deutsche Klassiker, wo z.B. nur angegeben ist "in Schillers 'Verschwörung von Fiesco'". Daneben trifft man aber auch auf genaue Angaben wie "Horaz, Oden II 10,5" zum Stichwort 'Mittelweg'. Andere lateinische Wendungen sind einfach in Übersetzung geboten, sogar ohne Angabe der Sprache ('suum cuique', das nur die Angabe "bildungssprachlich" bekam).

Ein Punkt, der am Erscheinungsbild zu bemängeln ist, sind die rund 25 ganzseitigen Bilder (Gustave Doré, Stiche, Cartoons). Neben der schlechten Druckqualität stört vor allem der meist fehlende direkte Bezug zum Lemma, weil sich dieses auf der vorhergehenden Doppelseite befindet, und die durchwegs nicht ersichtliche Funktion, die sie im Nachschlagewerk erfüllen sollten.

Im Vergleich zur ersten Auflage von 1992 ist der 11. Band gewachsen. Neben der Anzahl der Lemmata legte er besonders bei den Herkunftserklärungen zu, die nun mit einer blauen Raute bezeichnet sind und so besser ins Auge fallen als noch in der ersten Auflage. So erfährt man nun neu zu 'sine ira et studio', woher die Formulierung stammt, und zu 'Kothurn' wurden in den Angaben richtigerweise Präzisierungen vorgenommen.

Zum Schluss ein Beispiel für einen gerade für uns ärgerlichen Fehler in der 2. Auflage: Auf S. 21 wird unter 2.2 Stilistische Markierungen zur Angabe "bildungssprachlich" das Beispiel 'zwischen Szylla und Charybdis' angeführt. Doch gerade dieses Beispiel kann man nirgends im gesamten Band finden. Unter dem Stichwort 'zwischen' wird nicht auf die Wendung verwiesen; bei 'Scylla' wird man auf 'Szylla' verwiesen - 'Szylla' gibt es aber als Eintrag nicht! Und unter 'Charybdis' heisst es zwar "zwischen Szylla und Charybdis", doch wird man mit dem Verweis auf 'Szylla' wieder ins Leere gewiesen. In der Ausgabe von 1992 war man noch unter dem Stichwort 'Scylla' über den homerischen Hintergrund und den Anwendungsbereich der Wendung informiert worden!

Der Duden Band 12 Zitate und Aussprüche besteht neben der Einleitung (mit einem interessanten historischen Überblick über 'Das Zitat in der deutschen Sprache') aus dem Hauptteil 'Herkunft und Verwendung der im Deutschen gebräuchlichen Zitate' und einem zweiten Teil 'Thematische Sammlung von Zitaten, Sentenzen, Bonmots und Aphorismen'. Die Grenze zwischen Zitat und Redewendung, d.h. also auch die Grenze zwischen Band 11 und 12 der Dudenreihe, ist fliessend und eine eindeutige Definition für die klare Eingrenzung dessen, was zum Zitatenschatz gehört, ist nicht lieferbar, wie aus dem Einleitungstext hervorgeht. Entscheidend für die Auswahl war die "Sprachbeobachtung der Dudenredaktion" und die "Sprachkompetenz" der Mitarbeitenden. Noch ungenauer sind die Kriterien für die Aufnahme in den zweiten Teil, wo man Zitate zu thematischen Stichwörtern findet. Originalität sei hier der Massstab gewesen, und die Sammlung könne "nur den Charakter einer Vorschlagsliste, einer begrenzten Materialsammlung haben".

Die Zitate im Hauptteil sind alphabetisch angeordnet und ausreichend erklärt. Das Verweissystem lässt einen lateinische Zitate schnell auffinden - ob man nun das Original noch im Ohr hat oder ob es die deutsche Übersetzung ist: unter "alea" wird man auf "die Würfel" verwiesen, wo der Kontext des Ausspruches, die heutige geläufige Form und die wahrscheinliche ursprüngliche Intention angeführt sind.

Druckfehler hat es im gesamten Band nur wenige, bei lateinischen Zitaten z.B. unter 'aller Tage Abend', wo statt dierum dievum steht. Ärgerlicher ist das Fehlen des Bildverzeichnisses im geprüften Exemplar. Zwar wird im Inhaltsverzeichnis darauf verwiesen, doch die entsprechende Seite 936 ist weiss ... Zu eben diesen Bildern gilt das, was schon am Band 11 bemängelt wurde: die Qualität ist z.T. schlecht, die Bilder liegen nicht dem Zitat gegenüber, die Auswahl ist willkürlich und die Abbildungen selbst ohne erkennbare Funktion; hier im Band 12 sind sie nicht mehr ganz so Doré-lastig wie in 11.

Zuletzt noch ein Wort zu den Lebensdaten der Dichter. Dank den Registern am Ende des Bandes (eines zur Bibel, das zweite zu Personen) lässt sich mit wenig Aufwand gezielt nach autorenspezifischen Zitaten suchen. Obwohl man meinen könnte, im Zeitalter des Computers liesse sich ein solches Register ohne viel Aufwand und lückenlos erstellen, wird man bei Stichproben an zwei lateinischen Autoren eines anderen belehrt: Sowohl auf Zitate von Livius (S. 193) wie auch von Terenz (S. 349) wird nicht verwiesen. Und was die Lebensdaten der Dichter betrifft, von denen man meinen könnte, sie seien einheitlich und gleich, findet man eine fast erschöpfende Vielfalt: Livius gewöhnlich 59 v. Chr. - 17 n. Chr.; einmal aber 49 v. Chr. - 17 n. Chr. (S. 236). Tacitus wird einmal mit (S. 55) und einmal ohne Lebensdaten geboten (S. 149). Doch das schönste Beispiel liefert Terenz, der an den zehn Stellen seines Vorkommens 6 unterschiedliche Lebensdaten erhielt!

Fazit: Eine altphilologische Bibliothek ist nicht angewiesen auf diese beiden Dudenbände, es gibt zum Thema einschlägigere Bücher. Wer jedoch über die Antike hinaus ein Nachschlagewerk zum modernen deutschen Sprachgebrauch schätzt, dem bieten die beiden Bände eine interessante Fundgrube und Anregungen für den eigenen Sprachgebrauch.

Alessandro Sestito

Liber de pomo/Buch vom Apfel, eingeleitet, übersetzt und kommentiert von Elsbeth Acampora-Michel, Klostermann Texte Philosophie, Frankfurt am Main 2001, 204 S.

Bei der pseudaristotelischen Schrift "De pomo" handelt es sich nach dem Vorwort, das Ruedi Imbach zu diesem Band verfasst hat, nicht um einen Text, der philosophiegeschichtlich "an den Königswegen der Vergangenheit und Boulevards der Gegenwart" liegt, auch wenn er sich im Mittelalter als philosophisches Erbauungsbuch grösster Beliebtheit erfreut hat. Mehr als hundert Handschriften vor allem aus dem 14. Jahrhundert sind in ganz Europa überliefert, eine davon wird in der Eisenbibliothek in Langwiesen bei Schaffhausen aufbewahrt. Elsbeth Acampora-Michel stellt die Schrift samt Übersetzung und ausführlichem Kommentar vor, die in verschiedener Hinsicht auch heute noch Interesse verdient. In einer Szenerie, die sich deutlich am platonischen Phaidon orientiert, wird der Tod des Aristoteles geschildert. Auf dem Sterbebett schöpft der Philosoph durch den Geruch eines frischen Apfels nochmals Lebenskraft, so dass ihn seine Schüler, die sich zum Abschied bei ihm versammelt haben, heiter und gelöst vorfinden und er auf ihre Fragen hin in der Lage ist, nochmals die wichtigsten Anliegen seiner Lehre darzustellen. Dazu gehören in De pomo Thesen vom Aufbau der Seele und ihrem Schicksal nach dem Tod. Die Seele wird dabei in dualistischer Weise als Gefangene des Körpers gesehen, die sich nach dem Tod von der sterblichen Hülle löst und zu höherer Erkenntnis aufsteigt. In diesem Zusammenhang wird auch der Selbstmord diskutiert, den Aristoteles ausdrücklich ablehnt. Anweisungen zu einem massvollen Leben werden mit der hippokratischen Lehre von den Körpersäften begründet, deren Gleichgewicht durch ausschweifenden Genuss durcheinandergerät. Vor allem aber geht es um den wahren Sinn der Philosophie, die Befreiung vor der Todesfurcht, welche die Hauptfigur implizit durch ihr eigenes Beispiel illustriert, bevor die Kräfte sie endgültig verlassen, der Apfel und damit das Leben ihr entgleiten.

In der lateinischen Fassung handelt es sich bei dem Text um eine Übersetzung aus dem Hebräischen, die der Stauferkönig Manfred 1255 vornahm oder zumindest an seinem Hof in Palermo anfertigen liess. Sie enthält einen von ihm verfassten Prolog, aus dem hervorgeht, dass die hebräische Version ihrerseits auf älteren, nämlich arabischen Quellen fusst. In einer aufschlussreichen Einleitung geht die Verfasserin auf die faszinierenden Umstände ein, die zur Entstehung von De pomo beigetragen haben: die Rolle, die der Stauferhof dank einer hochentwickelten Übersetzungstätigkeit im intensiven Austausch der islamischen, christlichen und jüdischen Kultur gespielt hat, kommt ebenso zur Sprache wie die Überlieferungsgeschichte der griechisch-hellenistischen Philosophie, an der die arabische Welt entscheidend mitbeteiligt war. Im Vergleich des platonischen Phaidon mit einer, leider als einzige, der Verfasserin zugänglichen Fassung eines arabischen Apfelbuches und De pomo werden die Intentionen deutlich, die hinter den spezifischen Ausprägungen der Erzählung stehen: eine bereits mit dem Neuplatonismus beginnende Harmonisierung der platonischen und aristotelischen Lehren, die auch in der islamischen Philosophie zu beobachten ist; die Ausblendung von mit dem Christentum unvereinbaren Inhalten der aristotelischen Philosophie wie der Ewigkeit der Welt, ausserdem in der gleichen Optik die Rehabilitierung seiner Person im Zusammenhang mit der Überlieferungstradition von seinem Selbstmord, und schliesslich die von Manfred im Prolog verfolgte Absicht, die umstrittene Gestalt seines Vaters, Friedrich II, zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Der Band enthält ausserdem eine verdienstvolle Textsammlung, zu der neben der englischen Übersetzung des herangezogenen arabischen Apfelbuchs und Auszügen aus einem Beispiel für die direkte Nachwirkung von De pomo noch zwei Schriften gehören, die das Klima der Offenheit und der wissenschaftlichen Neugierde illustrieren, das am Stauferhof geherrscht haben muss: der Bericht über eine disputatio, an der Manfred in einem internationalen Kreis von Gelehrten teilgenommen hat, und sein Sendschreiben an die Artistenfakultät von Paris anlässlich der Übersendung von Übersetzungen, mit denen er in geradezu aufklärerischer Weise zu der Verbreitung von Wissen beitragen wollte. Mag es angesichts der aktuellen Weltlage auch etwas zeitgeistig klingen, der Band führt eindrucksvoll vor Augen, wie nahe Orient und Okzident sich einmal standen.

Bernhard Diethelm
1 Dabei fiel auf, dass ausgerechnet wir Klosterschüler am meisten Mühe mit dieser Art der Anrede hatten. Es mag an der deutschen Sprache und vielleicht auch an der Gewöhnung an die monastische Hierarchie liegen. (> Text)
2 Vorlesungen, weil die Referenten beide Professoren waren und das Klassenzimmer an einen universitären Vorlesungssaal erinnerte. (> Text)
3 Hier überraschte mich die grosse Zahl der Touristen. Aber die mehr als 3000 Jahre alte Stadt mit dem dunklen, tiefen Wasserloch, dem Löwentor und der Grabhöhle hat schon ihre Faszination. So kommt es auch, dass die Leute auf verschiedenste Wege Zugang zu diesem Ort finden: Wir, die wir aus historischen. literarischen und architektonischen Gründen kamen; eine deutsche Reisegruppe, mit der ich gesprochen habe, wollte einem Rätsel aus Erich von Dänikens Buch nachgehen. (> Text)
4 In Navplio, wo wir zu Mittag assen, machten wir eine schlechte Erfahrung. Ein Restaurantbesitzer überredete uns in sein Restaurant zu kommen, welches nicht gerade - wie sich später herausstellte - mit fünf Sternen versehen war. Das Essen kam überraschend schnell, weder optisch, noch geschmacklich erfüllte es unsere Erwartungen. Wenigstens war es billig. Ich hatte danach zwei Tage lang Bauchschmerzen und Janina betonte immer wieder, dass sie von Anfang an nicht in dieses Lokal wollte und dass sie - Gott sei Dank - nichts bestellt hatte.
Anschliessend an das unbefriedigende Mahl genehmigten wir uns einen Dessert im naheliegenden Hägen Dasz. (> Text)
5 Und dennoch wurde uns kaum Fisch serviert. (> Text)
Binding Stiftung
Update: 14.9.2006
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