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Juli

Jahr für Jahr ist Juli, Juillet, Luglio, Julio, Julho, July, Ijul etc. etc.: weltweit der Monat Gaius Julius Caesars, und das mittlerweile zum zweitausendundsoundsovielten Mal. Im Frühjahr 45 v. Chr. hatte Caesar nach Pompeius "dem Grossen" auch dessen minder grosse Söhne noch besiegt; in der Folge schickte er sich an, wie den alten Kalender so die ganze Republik zu julianisieren. Als er dabei kurzerhand dreihundert zuverlässige Parteigänger in den Senatorenrang erhob, darunter eine Reihe frischgebackene römische Neubürger, ja selbst "Halbbarbaren" aus den gallischen Provinzen, sprayten Spötter an die Wände: "Keiner soll sich bereit finden, einem neuen Senator das Rathaus zu zeigen!"

Kein Wunder, dass dieser Senat dem Sieger willfährig huldigte. Er verlieh ihm das Konsulat auf zehn Jahre, die Dictatur auf Lebenszeit. Sodann die Ehrentitel: Imperator, Liberator, "Befreier", Pater Patriae, "Vater des Vaterlandes". Dazu die Accessoires: die Purpurtoga des Triumphators, den goldenen Ehrensessel, den frischen Lorbeerkranz des Jupiter - der soll Caesar speziell willkommen gewesen sein, seine so ganz unjoviale Glatze zu bedecken. Schliesslich die Vergöttlichung: eine Statue mit der Inschrift "Dem unbesiegten Gott", eine Statue auf dem Kapitol Seite an Seite mit den römischen Königen ...

Ehrungen über Ehrungen, ein fortwährendes grandioses Feuerwerk, in dessen Schlussbukett Ende 45 oder Anfang 44 v. Chr. auch die Erhebung des Geburtstags des Dictators am 13. Quintilis, seither Juli, zum staatlichen Feiertag erscheint. Sueton lässt den Katalog der Ehren in der Umbenennung des Quintilis, des "fünften" Monats nach dem altrömischen Jahresbeginn am 1. März, in den Julius, den "Julischen" Monat, gipfeln: Hatte er wohl ein Gespür für das, was überdauern sollte?

Julius Caesar wurde an den Iden des März, am 15. März 44 v. Chr. ermordet; er hat seinen ersten "Juli", den des Jahres 44, nicht mehr erlebt. In zwei Briefen Ciceros an den vertrauten Freund und Verleger Atticus hat dieser "Juli" für uns seinen ersten Auftritt, damals noch als ein heisses Politikum. Wenige Tage nach den Iden des März war in Rom die Stimmung gegen die Caesarmörder umgeschlagen. Brutus und die Mitverschwörer waren geflohen; auch Cicero setzte sich aus der Hauptstadt und dem nahegelegenen Tusculanum ab.

Am 7. Juli langte er in Begleitung seines Neffen Quintus in seinem Puteolanum nahe Puteoli, heute Pozzuoli, an; durch Eros, den geflügelten und wohl nicht unansehnlichen Briefboten des Atticus, erfuhr er dort von der Ankündigung der Apollofestspiele für den "Juli" statt für den Quintilis. Am folgenden Tag suchte er Marcus Brutus auf, der auf der küstennahen Kraterinsel Nesis, heute Nisida, noch auf einen neuerlichen Stimmungsumschwung zugunsten der Verschwörer hoffte. Unterwegs schreibt er sich seinen jüngsten Aerger von der Seele: "Cicero dem Atticus seinen Gruss. An den Nonen des Quintilis (am 7. des Monats) bin ich auf mein Puteolanum gekommen. Am Tag darauf, unterwegs zu Brutus nach Nesis, habe ich dieses geschrieben. Aber noch an dem Tag, an dem ich gekommen war, brachte Eros mir beim Essen Deinen Brief. Wirklich? An den Nonen des 'Juli'? Die Götter, beim Hercules, sollen denen ...! Aber man kann sich ja den ganzen Tag empören. Kann irgendetwas schmählicher sein als für Brutus dieser 'Juli'? ... Ich kenne nichts. ..."

Auch in Ciceros zweitem Brief, zwei Tage später, steht der Aerger der beiden Republikaner über diesen "Juli" obenan: "Cicero dem Atticus seinen Gruss. So, wie ich Dir gestern berichtet habe, oder vielleicht erst heute - Quintus sagte nämlich, er könne erst am zweiten Tag bei Dir sein -, bin ich nach Nesis übergesetzt, am 8. Tag vor den Iden (zugleich am 8. des Monats). Dort war Brutus. Wie hat ihn dieser 'Juli' geschmerzt! Er ist ganz wunderlich verwirrt. Er werde nun also schreiben, sagte er, dass man wenigstens die Tierhetze, die am Tag nach den Apollofestspielen stattfinden soll, für den 2. Tag vor den Iden des Quintilis (den 14. des Monats) ankündigen solle. ..."

Klaus Bartels

Aus: Klaus Bartels, Trüffelschweine im Kartoffelacker. 77 Wortgeschichten, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2003. Früher erschien: Wie die Murmeltiere murmeln lernten. 77 Wortgeschichten, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2001.

Update: 13.7.2020
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